Allgemeines
Alleine die Erwähnung der Namen Butch Cassidy und
Sundance Kid oder Burt Bacharachs Song Raindrops keep falling on my
Head führen zumindest bei Amerikanern dazu diesen Film zu zitieren.
Die fast wahre Story um die beiden Bankräuber hat ihren festen Platz
in der amerikanischen Geschichte und bietet natürlich den idealen
Stoff für einen Western. 1969 wars dann soweit - unter der Regie
von George Roy Hill spielten Robert Redford und Paul Newman das charmante
Ganovenpaar. "Most of what follows is true" bemerkt der Film schon zu
beginn, und so wird eine etwas verklärte, romantische Version der
Geschichte erzählt die sich schnell zu einem der berühmtesten
Western der Filmgeschichte entwickeln sollte. Butch Cassidy and the
Sundance Kid ist auch eine Hommage an die guten, alten Western und
schafft diesen mit ein paar ganz untypischen Stilmitteln ein großartiges
Denkmal.
Die deutsche DVD von Butch Cassidy and the Sundance Kid entspricht
der amerikanischen Vorlage und enhhält bis auf ein fehlendes Booklet
alle Extras. Der perfekte Transfer und die reichhaltigen Extras sprechen
sehr für diese DVD, da kann man ruhig über die etwas schwache
Tonspur hinwegsehen und zugreifen, wenn einem etwas an diesem Klassiker
liegt.
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Bild
Fox hat sich mit Butch Cassidy and the Sundance Kid
viel Mühe gegeben und einen komplett neuen anamorphen Transfer erstellt,
statt auf MGM-Weise die alte Fassung von der 25th-Anniversary-Laserdisc
wiederzuverwenden. Der Transfer der US-DVD ist THX-Zertifiziert, die Region2-Version
hingegen nicht - allerhöchstens eine Formalität, denn hier wurde
ein und dasselbe Master verwendet.
Die Filmvorlage wurde von fast allen Beschädigungen befreit, insofern
das überhaupt nötig war. Auf eine weitere digitale Nachbearbeitung
wurde offenbar verzichtet, denn das Bild sieht nicht so knackscharf wie
manche neuere Transfer aus, aber dadurch wirkt dieser Transfer ungewöhnlich
realistisch. Ohne die Nebenwirkungen von nachträglicher Aufschärfung
springt einen die bombastische Szenerie des Films geradezu aus der Bildröhre.
Conrad Halls fast schon legendäre Bildkompositionen sehen nun einfach
wundervoll aus. Besonderen Wert wurde auch auf das Farbtiming gelegt.
Einfach war das sicherlich nicht, denn der Film beginnt wie The Wizard
of Oz in "Sepiatone" (Monochrom mit Brauntönen) und geht dann
erst nach einigen Minuten fließend in die realistischen Farben über.
Die Filmkörnigkeit ist ab und zu etwas zu sehen, fügt sich aber
nahtlos in das allgemeine Aussehens des Films ein und stört deshalb
nicht weiter. Optisch ist an diesem Transfer absolut nichts auszusetzen,
ganz besonders nicht wenn man bedenkt wie schlecht die früheren Versionen
aussahen - das ist fast schon Referenzqualität für einen Film
dieses Alters.
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Ton
So aufregend die Bildqualität ist, so unscheinbar sind
die Tonspuren dieser DVD. Als erstes muß man anmerken, daß
sich weder Untertitel noch Tonspuren über die Fernbedienung umschalten
lassen, das wurde offenbar gesperrt weil je nach ausgewählter Sprache
verschiedene Untertitel in den Film eingeblendet werden sollen.
Die englische Tonspur ist so unspektakulär wie eine alte Mono-Tonspur
von 1969 nur sein kann. Nichts gegen einen handfesten Mono-Ton - daß
so etwas gut klingen kann, haben die meisten Bond-DVDs
zu genüge bewiesen. Hier klingt es einfach nur ziemlich flach ohne
richtige Höhen und Tiefen, allerdings auch ohne dabei blechern und
verzerrt zu sein. Da der Film bis auf drei musikunterlegte Szenen nur
aus Geräuschen und Dialogen besteht, macht das jedoch nicht so viel
aus. Burt Bacharachs Musik klingt zwar auch nicht sensationell gut, aber
alle Stimmen sind klar und deutlich zu hören und die Geräuschkulisse
wirkt trotz der fehlenden Räumlichkeit durchaus realistisch. Die
deutschen und spanischen Tonspuren hören sich fast genauso wie die
englische an, weisen aber ein leichtes Grundrauschen auf. Man hätte
sehr viel aus diesen Soundtracks machen können, aber vielleicht hat
es sich auch einfach nicht gelohnt da die Optik dieses Films weitaus wichtiger
ist als der Ton.
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Menü & Specials
Sämtliche Extras wurden von der 25th-Anniversary-Laserdisc
auf diese DVD übertragen und wirken deshalb teilweise etwas angestaubt.
Das liegt aber nicht ausschließlich daran, denn einiges wurde auch
schon lange vorher produziert. Trotzdem ist das eine imposante Ansammlung
von Bonusmaterial, die die Bezeichnung Special Edition wirklich
verdient hat. Die Menüs bestehen leider nur aus einfallslos gestalteten
Standbildern - das hätte man wirklich etwas besser machen können.
Das vierzigminütige Making of Butch Cassidy and the Sundance Kid
stammt von 1970 und wurde vom Filmhistoriker Robert Crawford auf
dem Set des Films gedreht. Diese Dokumentation besteht hauptsächlich
aus 16mm-Aufnahmen vom Set und einigen Filmausschnitten, was alles von
Regisseur George Roy Hill und den Schauspielern und Filmemachern aus dem
Off kommentiert wird. Das ganze hat einen etwas ungeschliffenes Aussehen,
die Handkamera ist ziemlich wackelig, die Schnitte holperig und die Bildqualität
etwas angeschrammt. Allerdings muß man sagen, daß diese Art
von Making-Of, die komplett aus "Behind-the-Scenes"-Material ihren ganz
besonderen Charme hat und mehr Informationen als sonst üblich enthält.
Die Kommentarspur wird ebenfalls von Robert Crawford angeführt,
es sind aber auch Regisseur George Roy Hill, Cinematographer Conrad Hall
und Songschreiber Hal David zu hören. Obwohl dieser Kommentar den
Eindruck erwecken will, daß alle Beteiligten zusammensaßen,
sprechen diese überhaupt nicht miteinander - es scheint, als ob doch
alle Leute ihren Kommentar einzeln gemacht hätten. So fehlt diesem
Audiokommentar trotz aller darin enthaltenen Informationen sehr viel an
Lebendigkeit, es ist sehr schwer länger zuzuhören ohne daß
es wirklich langweilig wird. Das mag auch daran liegen, daß der
Kommentar von der sechs Jahre alten Laserdisc-SE stammt und "damals" so
etwas noch sehr unüblich war. Genauso wie das Making-Of ist diese
Kommentarspur todernst und völlig humorlos - von Unterhaltung hier
keine Spur, ohne Zweifel ist aber der Informationsgehalt sehr hoch und
für Filmliebhaber äußerst interessant. Robert Crawford
wird übrigens in den Menüs als Associate Producer bezeichnet,
obwohl er diesen Job erst bei The Great Waldo Pepper und The
Sting innehatte.
Einen weniger gealterten Eindruck machen die Video Interviews von
1994 mit Paul Newman, Robert Redford, Katherine Ross, Drehbuchautor William
Goldman und Filmmusiker Burt Bacharach. Gemischt mit ein paar Schwarzweiß-Bildern
von den Dreharbeiten bieten diese Interviews eine ganz andere Perspektive
über die Filmproduktion, die sich sehr vom Making-Of unterscheidet.
Insgesamt sind diese fast dreißig Minuten Interviews ein perfekter
Zusatz zu der Dokumentation.
Die Production Notes sind keine einfachen Texttafeln, sondern überraschend
viele gescannte Scriptausschnitte, Briefe und Notizen. Leider ist diese
große Menge an Textmaterial aufgrund der zu starken Bildkompression
nur noch schwer lesbar, stellenweise ist die ohnehin schon recht undeutliche
Schreibmaschinenschrift zu sehr von Kompressionsartefakten umringt. Es
hilft jedoch den DVD-Player auf 4:3-Letterbox oder Pan&Scan umzuschalten,
weil dann alle Menüs aufgezoomt werden und dann wenigstens auf Computermonitoren
besser lesbar sind.
Die Alternative Credits sind einfach ein computergenerierter, separat
aufrufbarer Abspann, der mit Musik unterlegt ist und ein Ersatz zum etwas
kurz geratenen Schluß des eigentlichen Films ist. Abgerundet werden
die Extras von drei wirklich gut gelungenen Trailern, die aber
alle nicht anamorph sind und ein schreckliches Farbtiming haben.
Die Extras dieser DVD leiden zwar deutlich unter ihrem Alter, aber trotzdem
macht alles einen so guten Eindruck daß man hier nur die volle Punktzahl
vergeben kann. Man fragt sich nur, ob Fox ohne die Laserdisc-Vorlage auch
so viel Bonusmaterial zusammengestellt hätte.
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