The Front Page
Cover

15.08.2005 #343

Titel The Front Page
Studio Universal (1974)
Hersteller Universal Home Video (2005)
DVD-Typ 5 (4,08 GB) Bitrate ø 5,27 max. 7,5
Laufzeit 104:32 Minuten Kapitel 18
Regionalcode 1 (USA/Kanada) Case Amaray I
Fernsehnorm NTSC
Bildformat 2.35:1 16:9 yes
Tonspuren Dolby Digital 2.0 Mono 192 kbit/s Englisch, Französisch
Untertitel Englisch, Französisch, Spanisch
Freigabe MPAA PG
Extras • Keine

Allgemeines

Hildy Johnson (Jack Lemmon) ist Journalist mit Leib und Seele, aber die Sucht zur perfekten Titelstory hört bei ihm auf, als er seine Verlobte Peggy (Susan Sarandon) endlich heiraten und seinen Job als Sensationsreporter aufgeben will. Seinem Chefredakteur Walter Burns (Walter Matthau) ist davon gar nicht begeistert, denn Hildy soll über die Hinrichtung von Earl Williams (Austin Pendelton) berichten. Walter versucht alles, um seinen Starreporter wieder zurückzuholen und schreckt dabei vor beinahe nichts zurück. Als er Hildy noch nicht ganz wieder hinter der Schreibmaschine sitzen hat, überschlagen sich die Ereignisse, als der inkompetente Sheriff Hartman (Vincent Gardenia) den eigentlich harmlosen Earl Williams aus Versehen entkommen läßt...


Als im Sommer 1928 Charles McArthurs und Ben Hechts The Front Page am Broadway eröffnete, ahnte noch niemand von dem erormen Erfolg und der Langlebigkeit des Theaterstücks. Die bissige Satire über das Zeitungsbusiness in den späten zwanziger Jahren war schon damals reichlich aktuell und zog weniger über die Reporter als über die Gesetzeshüter her. Schon 1931 wurde das Stück unter seinem Originaltitel von Lewis Milestone mit Adolphe Menjou und Pat O'Brien das erste Mal verfilmt, aber es war Howard Hawks, der mit seinem His Girl Friday 1940 die Geschichte richtig bekannt machte. In seiner Version wurde aus Hildy Johnson eine Frau, die von Rosalind Russell gespielt wurde und Walter Burns, dargestellt von Cary Grant, wurde zu Hildy's Ex-Mann umfunktioniert, der die erneute Heirat seiner Starreporterin verhindern will.

Es war Billy Wilder, der sich einige Jahrzehnte später auch an The Front Page versuchte. Statt eine Neuverfilmung der vorherigen zwei Klassiker zu drehen, orientierten sich der Meisterregisseur und sein langjährigen Drehbuchpartner I.A.L. Diamond mehr am Original-Bühnenstück. Die Geschichte wurde wieder im Chicago Ende der zwanziger Jahre angesiedelt und die Charaktere fast unverändert übernommen. Wilder und Diamond blieben ihrem Ruf aber treu und behielten zwar die grundlegende Geschichte bei, aber schrieben einen großen Teil der Dialoge in ihrem unvergleichlichen Stil völlig neu. Ohne die Zensur der dreißiger und vierziger Jahre konnten die Dialoge deutlich schmutziger und realer ausfallen als früher möglich, allerdings wurde damit auch nicht zu sehr übertrieben.

Das Drehbuch wurde natürlich voll und ganz auf die Darsteller zugeschnitten, deren Besetzung nicht unbedingt ein Geniestreich, aber doch ganz typisch für Billy Wilder ist – er hatte schließlich 1965 erstmals das Comedy-Dreamteam Jack Lemmon und Walter Matthau in The Fortune Cookie zusammengebracht, aber bis zu The Front Page noch keinen weiteren Film mit den beiden Schauspielerin gedreht. Er wäre aber nicht Billy Wilder, wenn er Hildy Johnson und Walter Burns nicht mit Lemmon und Matthau besetzt hätte, denn gerade dies macht den besonderen Reiz des Films aus. Nur diese beiden sind in der Lage die rasanten Dialoge in der alten Screwball-Tradition wirklich gut herüberzubringen und kommen zwar damit nicht ganz, aber schon fast in die Nähe der Schlagfertigkeit von Rosalind Russell und Cary Grant.

Auch die Besetzung der Nebenrollen wurde, wie immer bei Billy Wilder, gekonnt ausgesucht. Die gesammelten Reporter-Typen sind fast schon eine Anspielung an The Odd Couple, mit Herb Edelman hat sich sogar jemand aus Oscar Madisons Pokerrunde in Billy Wilders Reporter-Clique eingefunden, in der außerdem noch Charles Durning, David Wayne, Allen Garfield, John Furlong und andere brillieren. Vincent Gardenia ist ein perfekter Sheriff Hartman, der zwischen Autorität und Wahnsinn schwankt und auch gerne mal überschnappt, während Harold Gould den korrupten Bürgermeister "Herbie" sehr zurückhaltend spielt.

Als Justizopfer Earl Williams ist Austin Pendleton zu sehen, der sich zuvor als schnellredender Musikpatron Frederick Larrabee in Peter Bogdanovics “What's Up, Doc?” einen Namen gemacht hat, aber seine Rolle in The Front Page erstaunlich zurückhaltend spielt und so die Unschuld von Williams noch mehr unterstreicht. Leider ist seine Rolle etwas unterdimensioniert, denn eigentlich hat der Charakter Earl Williams in der Geschichte kaum etwas zu tun. In einer kleinen Nebenrolle als Gefängniswärter ist außerdem Cliff Osmond, ein alter Bekannter von Billy Wilder zu sehen. Als kleiner Einwurf wirkt auch der verrückte Psychiater Dr. Eggelhoffer, gespielt von Martin Gabel - er ist eine persönliche Anspielung von Wilder an seine frühen Jahre in Wien, als er in einem seiner ersten Journalisten-Jobs erfolglos versuchte Sigmund Freund persönlich zu interviewen.

Beinahe könnte man meinen, daß die Besetzung von The Front Page ein reiner Männerverein wäre, aber zwei der stärksten Rollen des Films sind weiblich: Susan Sarandon als Hildys frustrierte Verlobte Peggy Grant und Carol Burnett als gutherzige Prostituierte Molly Malloy. Während Susan Sarandon in The Front Page eigentlich keinen besonders bemerkenswerten Auftritt hat, ist Carol Burnetts Rolle viel mutiger, denn die sonst mehr auf brave und saubere Rollen abonnierte Theater- und Fernsehschauspielerin spielt hier schlicht und einfach eine Hure. Das funktioniert allerdings nur weil diese Frau mit dem unmoralischen Job eine der moralischsten und menschlichsten Charaktere in der Geschichte ist und zur unbesungenen Heldin wird.

The Front Page war nicht Billy Wilders erster Film über einen Sensationsreporter. Schon 1951 drehte er “Ace in the Hole”, ein Drama über einen vor nichts zurückschreckenden Reporter, der die Rettung eines verschütteten Minenarbeiters zur Aufbesserung seiner Karriere mißbraucht. The Front Page hat zwar auch einen ernsten Hintergrund – immerhin geht es um die Hinrichtung eines potentiell Unschuldigen und die Unfähigkeit der Behörden –, ist aber durch die Theatervorlage natürlich viel mehr eine Komödie, wenn auch mit einem deutlich bissigen und satirischen Unterton.

Im Gegensatz zu Billy Wilders Gerichtsdrama “Witness for the Prosecution” findet in The Front Page die Verhandlung praktisch nicht im Gerichtssaal, sondern im Presseraum statt. So  sensationslüstern die Journalisten sein mögen, die Obrigkeit mögen sie keinesfalls und sind immer froh, wenn sie den korrupten Behörden etwas anhängen können. Die Reporter sind bei Billy Wilder die Geschworenen, denn zumindest Hildy Johnson und Walter Burns wachsen über ihren eigenen Egoismus heraus und verbinden ihren eigenen Erfolg mit der Rettung des unschuldig Verurteilten.

Billy Wilders Inszenierung ist natürlich makellos und macht aus dem einstigen Bühnenstück einen ausgewachsenen Film - daß sich wie im Theaterstück der größte Teil der Handlung fast nur in einem Raum abspielt, wird durch eingestreute Außenaufnahmen und ein paar ergänzende Szenen hervorragend kaschiert. Auch die Abwesenheit einer richtigen Filmmusik ist kaum zu bemerken – außer der jazzigen Titelmusik, Susan Sarandons Songeinlage an der Kino-Orgel und Hildy´s Abschiedsgesang mit seinen Kollegen gibt es außer dem rhythmischen Klappern der Schreibmaschinen nichts zu hören. Das Tempo des Films ist enorm und erinnert schon fast an alte Screwball-Komödien aus den dreißiger und vierziger Jahren, aber Billy Wilder schafft es mit seinem Hochgeschwindigkeitszug kein Zugunglück zu bauen.

Trotzdem bezeichnete nicht nur Wilder alleine The Front Page immer als einen seiner weniger gelungenen Filme - zu unrecht, denn der einzige Fehler des Films war daß er zu spät kam. Zwar waren Mitte der siebziger Jahre gerade Geschichten aus den "Roaring Twenties" sehr populär, aber gerade hatte George Roy Hills The Sting alle so begeistert, daß niemand mehr wohlwollende Worte für The Front Page übrig hatte. Dennoch war der Film ein ganz ansehnlicher finanzieller Erfolg und wurde dann Jahre später doch noch von den Kritikern ganz neu entdeckt.
The Front Page war bisher nur in einer schrecklichen Vollbild-Fassung als DVD erhältlich - gerade bei diesem Film, der vollen Gebrauch von dem breiten 2.35:1-Panavision-Format macht, ein Verbrechen. Universal hat jedoch im Mai 2005 endlich diese "Jugendsünde" von DVD durch eine Neuauflage im Originalformat ersetzt, die zwar nicht einmal einen Trailer als Extra mitbringt, aber dafür eine ganz hervorragende Bild- und Tonqualität hat. The Front Page hätte eigentlich mehr verdient, aber man kann schon froh sein daß Universal den Film endlich in Widescreen und dazu noch guter Qualität herausgebracht hat.

Bild

Universals neuer Transfer von The Front Page ist eine große Überraschung, denn es wurde nicht einfach nur eine neue Abtastung gemacht, sondern diese auch hervorragend restauriert. Nach dem Aussehen der DVD war Lowry Digital für die Überarbeitung verantwortlich, denn eine so gute Bildqualität kann nur von diesen Experten bei einem Film dieses Alters erreicht werden.

  Die Filmvorlage wurde so gut gesäubert, daß überhaupt keine Kratzer oder Fussel mehr zu sehen sind – das Bild ist erstaunlich sauber. Die Körnigkeit des Filmmaterials wurde zum Glück nicht herausgefiltert und ist ständig sichtbar, wirkt aber keineswege störend und verhilft der DVD zu einem sehr filmähnlichen Aussehen. Die Schärfe ist beeindruckend gut und wurde zwar mit einem Schärfefilter erreicht, der aber sehr gut eingesetzt wurde und keine Nebenwirkungen hinterlassen hat.

  Das Bild ist sehr ruhig, nur in einigen wenigen Szenen bewegt sich der Bildstand etwas vertikal, was allerdings auch eine leicht unruhige Kamera sein könnte und sowieso kaum auffällt. Die Farben wirken auf den ersten Blick deutlich desaturiert, was aber durchaus Absicht ist. Die sepia-artige Farbgebung ist zwar nicht so deutlich wie bei neueren Filmen mit digitalem Farbtiming und wird hauptsächlich durch Kostüme und Kulissen erreicht, wirkt aber trotzdem fast wie ein Schwarzweißfilm mit einigen Farbklecksen und wird durch den neuen Transfer perfekt wiedergegeben.

  Obwohl der 105 Minuten lange Film auf nur einen Layer gequetscht wurde und die Bitrate nicht gerade Rekordverdächtig hoch ist, machen sich keinerlei Kompressionsartefakte bemerkbar - beim Authoring gibt es hier auch nichts zu beanstanden.

Ton

Überraschend gut ist auch die Tonqualität, was bei Filmen aus den siebziger Jahren nicht immer selbstverständlich ist. Universal hat aber pristine Tonelemente von The Front Page gefunden, die die unspektakuläre Tonspur des Films erstaunlich brilliant klingen lassen. Vernünftigerweise wurde der ursprüngliche Mono-Mix beibehalten - bei einem Film, der praktisch nur aus Dialogen besteht lohnt sich etwas anderes auch gar nicht.  

  Schon die Titelmusik überrascht mit einem sehr klaren Klang, der ordentliche Bässe und luftige Höhen mitbringt - es ist jedoch praktisch die einzige richtige Musik, die im Film zu hören ist. Dafür hören sich die Dialoge genauso gut an und haben so gar nicht den typisch blechernen Siebziger-Jahre-Klang. Trotz des Bühnencharakters der Produktion sind die Stimmen kristallklar und nie muffelig oder schwer hörbar, auch wenn oft viel durcheinander geredet wird.

  Zu Verzerrungen kommt es nur ganz selten wenn jemand anfängt wirklich laut zu brüllen, aber auch das kann diese Tonspur nicht aus dem Konzept bringen. Rauschen ist praktisch nicht zu hören und auch andere Störungen sind hier ein Fremdwort. Trotz der guten Qualität sind die mitgelieferten, sehr akkuraten Untertitel wegen der enorm schnellen Dialoge oft sehr hilfreich um alle Texte verstehen zu können. Auch mit dabei ist eine französische Tonspur, die sich aber nur dazu eignet zu demonstrieren, wie schlecht die englische Fassung vielleicht hätte klingen können.

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