Allgemeines
Der Ursprung des berühmten Hitchhiker's Guide to
the Galaxy liegt über dreißig Jahre zurück. In einem
Feld bei Innsbruck kam dem achtzehnjährigen Douglas Adams die Idee
eines galaktischen
Reiseführers für Anhalter, als er selbst ohne eine müde Mark
in der Tasche durch Europa tingelte. Das Konzept geriet schnell in Vergessenheit,
aber 1977 schlug Douglas die Idee bei der BBC als Radioserie vor, bei der
er inzwischen als Autor arbeitete. Mit der Hilfe der Produzenzen Simon Brett,
Geoffrey Perkins und der Kreativität des BBC Radiophonic Workshop wurde
eine Radioserie geschaffen, wie sie noch nie jemand zuvor gehört hatte.
Trotz minimalem Werbeaufwand war der Erfolg unerwartet groß, und 1979
erschien das erste Hitchhiker's Guide to the Galaxy-Buch von Douglas
Adams, das auf der ersten Hälfte der Radioserie basierte - Fortsetzung
garantiert.
Im gleichen Jahr begannen auch die ersten Vorbereitungen für eine TV-Verfilmung,
für die John Lloyd, der mit Douglas schon mehrere Episoden der Radioserie
geschrieben hatte, Verhandlungen mit der BBC führte.
Douglas schrieb ein erstes Drehbuchtreatment, und ein Jahr später begannen
die Dreharbeiten. Die Auswahl der Schauspieler war nicht ganz einfach, denn
Douglas Adams wollte alle Leute aus der Radioserie übernehmen, aber
Regisseur Alan Bell komplett neu besetzen. Schließlich wurde ein Kompromiss
geschaffen und nur einige Rollen neu besetzt. Simon Jones als Arthur und
Mark Wing-Davey als Zaphod blieben erhalten, Ford und Trillian wurden jedoch
durch David Dixon und Susan Sheridan ersetzt. Die unverwechselbare Stimme
von Peter Jones wurde wieder zum Erzähler, und die vorgelesenen Einträge
aus dem Hitchhiker's Guide wurden auf eine innovative Weise visualisiert:
die "Computergrafiken"
wurden von einem Zeichentrickstudio auf konventionelleWeise per Hand animiert
- so "real" daß Computerexperten bei der BBC anfragten,
welche Wunderrechnerdenn dafür benutzt wurden. Das übrige Szenenbild
war aus Budgetgründen ziemlich spärlich und Zaphods zweiter animatronischer
Kopf sah ziemlich schlecht aus. All das machen jedoch die Schauspieler wieder
wett, die Douglas Adams' Vision zum Leben erweckt haben. Diese Serie ist
nicht einfach nur eine Verfilmung der Bücher, wie viele glauben, sondern
eine eigenständige, unabhängige Inkarnation des Hitchhiker's
Guide to the Galaxy. Die Darstellung der Charaktere ist aber bisher
die einzige Visualisierung und genau so wie sich Douglas Adams alles selbst
vorstellt - besonders Arthur Dent basierte schon von Anfang auf Simon Jones'
Aussehen und Verhaltensweise.
Douglas
Adams starb viel zu früh im Mai 2001 im Alter von 49 Jahren, aber er
hat durch den Hitchhiker's Guide to the Galaxy einen Bekannheitsgrad
erreicht, der der Unsterblichkeit schon recht nahe kommt. Die Wichtigkeit
eines Handtuchs, die Bedeutung der Zahl 42 oder die Phrase "Don't Panic"
- alles Begriffe, die fast schon in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeflossen
sind und sofort an Douglas Adams erinnern. Es ist schwer seine Werke in
einem kleinen Rahmen zusammenzufassen, Interessierte sollten deshalb einen
Blick auf Neil Gaimans Biographie Don't Panic werfen, die einige
Kapitel der Produktion der Radio- und Fernsehserien widmet.
Nach langer Anlaufzeit und vielen Terminverschiebungen hat es die BBC nun
geschafft, den Hitchhiker's Guide to the Galaxy in England als DVD
zu veröffentlichen - die Erwartungen waren hoch und wurden nicht enttäuscht.
Für die VHS-Version von 1992 wurden jeweils drei Folgen ohne Unterbrechung
für eine Kassette zusammengeschnitten, aber diese DVD macht das wieder
rückgängig und stellt die sechs einzelnen Folgen ungeschnitten
und inklusive ihrer ursprünglichen Vor- und Abspänne wieder her.
Das ist aber noch nicht alles, denn die BBC hat daraus ein Doppel-DVD-Set
gemacht und überraschend viel Bonusmaterial zusammengestellt. Verpackt
sind die beiden Discs in ein schickes gefaltetes Digipack aus stabilem Karton
in einer Pappschachtel, dessen Design keine Wünsche mehr offen läßt.
Für Fans von Douglas Adams ist diese DVD selbstverständlich Pflicht,
aber auch Kenner von britischem Humor sollten dem Hitchhiker's Guide
eine Chance geben. Diese englischen DVDs besitzen natürlich keine deutschen
Untertitel oder Tonspuren, aber BMG hat angekündigt die Serie im April
auch in Deutschland auf DVD herauszubringen. Voraussichtlich werden die
gleichen Extras und auch der Originalton dabeisein, aber auf zwei getrennte
DVDs mit je drei Folgen verteilt werden. Wenn man nicht auf deutschen Ton
angewiesen ist, sollte man auf jeden Fall die englische DVD in Betracht
ziehen.
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Bild
Anfang der achtziger Jahre war es bei Fernsehproduktionen
der BBC üblich Studiomaterial auf Video aufzuzeichnen
und Außenaufnahmen auf 16mm-Film zu drehen. Die Studioaufnahmen wurden
auf sogenanntem Quad aufgezeichnet, einer Spulenmaschine mit fünf Zentimeter
breiten Bändern und für damalige Verhältnisse ausgezeichneten
Bildqualität. Die "Location-Shoots" wurden von 16mm auch
auf Quad-Videobänder überspielt und dann beides zusammenkopiert.
Die fertigen Master nach dem Schnitt waren dann meist Kopien zweiter oder
dritter Generation.
Angesichts dieser aus heutiger Sicht vorsintflutlichen Aufzeichnungsmethoden
darf man natürlich von dieser DVD keine Wunder erwarten, aber eine
drastische Verbesserung der Bildqualität gegenüber den alten VHS-Bändern
ist trotzdem sichtbar. Die Video- Sequenzen
haben ein weitgehend rauschfreies, stabiles Bild, das lediglich an der verminderten
Schärfe leidet und leicht verwaschene, aber dennoch kräftige Farben
hat. Ganz selten sind kleine elektronische Dropouts zu sehen, die aber nicht
weiter auffallen. Vom 16mm-Filmmaterial konnten offenbar keine neuen Transfer
gemacht werden, so daß hier mit den alten Überspielungen gearbeitet
werden mußte. Die Realszenen sehen daher ziemlich unscharf und matschig
aus, die meiste Filmkörnigkeit wurde mit einem Rauschfilter entfernt.
Viel besser sehen dagegen die "Computeranimationen" aus, die viel
mehr Schärfe und Detailgenauigkeit bieten können, aber auch einen
manchmal etwas unruhigen Bildstand haben.
Heimkino-Enthusiasten werden bei solch einer Bildqualität in Tränen
ausbrechen, aber besser hat der Hitchhiker's Guide noch nie ausgesehen,
und mehr kann man aus dem Ursprungsmaterial wirklich nicht mehr herausholen.
Die BBC hat alles getan, und diese Serie in bestmöglichstem Zustand
der Nachwelt zu erhalten.
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Ton
Um
den Ursprüngen treu zu bleiben, wurde für den Hitchhiker's
Guide eine Tonspur gemischt, die genauso kreativ war wie die der Radioserie.
Auf dieser DVD gibt es sie gleich in doppelter Ausführung: einmal als
Original-Mono-Version und in einem remasterten Stereo-Remix. Letzterer basiert
auf einem 1992 für eine VHS-Veröffentlichung angefertigem Remix,
der von vielen als die bessere Version angesehen wird. Allerdings unterscheidet
sich der Remix an einigen Stellen bei den Toneffekten etwas von der ursprünglichen
Mono-Fassung, weshalb auf dieser DVD extra beide Versionen vorhanden sind.
Die
Stereo-Fassung ist nicht zur Wiedergabe in ProLogic geeignet, da die Stimme
des Buches immer an den linken oder rechten Rand des Klangfeldes gemischt
wurde und so einen unangenehmes Übersprechen auf den Surroundkanal
verursacht. In Stereo angehört bietet diese Tonspur jedoch eine sehr
innovative Abmischung, die sehr verspielt ist und sich stark an der Radioserie
orientiert. Die Hintergrundmusik ist in Stereo zu hören und Dialoge
und Geräusche sind alle sehr direktional abgemischt worden. Während
die Mono-Version hat einen etwas harschen, klirrenden Klang hat, hört
sich die Stereo-Abmischung viel wärmer und lebendiger an. Rauschen
oder Verzerrungen sind hier ein Fremdwort, denn anscheinend war die BBC
in den frühen achtziger Jahren im Audiobereich sehr gut ausgerüstet.
Alleine die Tatsache, daß noch Mehrspurbänder für eine Neuabmischung
zur Verfügung standen, zeigt daß hier mit sehr moderner Technik
gearbeitet wurde - ganz im Gegenteil zur Bildaufzeichnung.
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Menüs & Extras
Auf
das Menüdesign der Hitchhiker-DVDs war ich besonders gespannt,
denn hier stellte sich die Frage ob die Ideen von Douglas Adams überhaupt
in der Gestaltung umgesetzt werden können. Der BBC ist das ganz gut
gelungen - ein großer Teil der Menüs wurde aufwendig dreidimensional
gerendert und alles ist mit Soundeffekten und Musik aus der Serie unterlegt.
Obwohl das "Buch" im Hauptmenü anders aussieht als in der
Serie selbst, enttäuschen diese Menüs wirklich nicht.
Als noch keine Details bekannt waren, wurde über das Bonusmaterial
viel diskutiert und die wildesten Gerüchte kamen auf - es hieß
sogar, daß Douglas Adams angeblich vor seinem Tod noch einen Audiokommentar
aufgenommen hatte. Das Gerücht hat sich leider als falsch erwiesen,
aber Douglas Adams kommt dafür in vielen Interviews zu Wort und einen
gewissen Ersatz für einen richtigen Audiokommentar gibt es auch.
Sämtliches
Bonusmaterial wurde auf die zweite DVD ausgelagert, mit einer Ausnahme:
auf der ersten DVD befindet sich zwar kein Audiokommentar, aber dafür
eine Untertitelspur mit Produktionsnotizen, die viele oft szenenspezifische
Informationen bietet, von denen viele nirgendwo anders auf der DVD zu finden
sind. Die unpersönliche Darbietung wirkt etwas trocken, aber es ist
das beste, was außer einem gesprochenen Kommentar möglich ist.
The Making of the Hitchhiker's Guide to the Galaxy wurde 1993
von Kevin Davies produziert und wurde schon früher als VHS-Kassette
veröffentlicht. Hinter diesem unscheinbaren
Titel verbirgt sich eine hervorragende einstündige Dokumentation über
Entstehung und Ursprung des Hitchhiker's Guide und nicht zuletzt
auch über Douglas Adams selbst. In vielen Interviews erzählen
Douglas, Simon Jones, David Dixon, Susan Sheridan und Mark Wing-Davey über
die nicht immer ganz unproblematischen Dreharbeiten und werfen auch einen
durchaus kritischen Blick zurück. Das besondere ist aber, daß
Simon Jones und David Dixon ihre Rollen als Arthur und Ford wieder zum Leben
erwecken und diese Dokumentation in eine kleine Geschichte einbetten - inklusive
Peter Jones' unverwechselbarem Voiceover und neuen Grafiken, die diesmal
anscheinend wirklich computergeneriert sind, aber originalgetreu aussehen.
Don't
Panic enthält 25 Minuten an Interviews und Outtakes von verschiedenen
Studiosessions, die offenbar von Kevin Davies' Dokumentation übrigblieben
und auf dieser DVD zum ersten Mal zu sehen sind. Dabei handelt es sich aber
keineswegs um Abfall, sondern um viele interessante Sachen, die im Making-Of
noch nicht angesprochen wurden.
Communicate dreht sich nicht um die Fernsehserie, sondern ist ein
zehnminütiges Featurette über die Produktion der Radioserie, in
der man die seltene Gelegenheit hat die Schauspieler und Tontechniker einmal
bei der Arbeit zu sehen. Der Höhepunkt ist die Lösung des Problems,
wie man einen Chor von tausenden von Robotern realisiert - etwas, was in
der Fernsehserie ausgelassen wurde und nur in der Radioversion und in den
Büchern vorkommt.
Behind
the Scenes trägt einen etwas irreführenden Namen, da es sich
hierbei um einer Aufnahme der letzten sieben Minuten einer stressigen Studiosession
handelt - inklusive eingeblendeter Uhrzeit, denn pünktlich um 22:15
mußte die Aufnahme im Kasten sein, weil die BBC-Studios dann den Strom
mit britischer Pünktlichkeit abdrehten. Die dicke Luft im Studio hätte
man mit einem Messer schneiden können - trotzdem ist diese Szene am
Ende von Episode 2 sehr witzig geworden.
Deleted Scene from Episode 2 - anscheinend haben nur
die ungeschnittenen Bänder von dieser Folge überlebt, denn alles
was man in den
Dokus und hier in dieser Szene zu sehen bekommt, stammt von dort. Ein Teil
dieser Szene, die zwar nicht bahnbrechend wichtig, aber dennoch interessant
ist, bekommt man auch im Making-of zu sehen. Außerdem wurde Insgesamt
neun Minuten an Outtakes zusammengestellt, die ausnahmsweise nicht
aus den Studioaufnahmen von Episode 2 stammen. Es sind Außenaufnahmen
von fehlgeschlagenen Takes, die nicht ganz so witzig sind wie man vielleicht
vermutet - die etwas angespannte Atmosphäre bei den Dreharbeiten ist
deutlich zu sehen, aber auf der anderen Seite ist zu sehen, daß die
Schauspieler auch ihren Spaß gehabt haben.
Pebble
Mill at One ist ein sechseinhalbminütiger Ausschnitt aus dem gleichnamigen
BBC-Programm, bei dem Regisseur Alan Bell und Animator Rod Lord zu Gast
waren. Es geht in diesem Interview natürlich um die damals so aufregenden
Animationstechniken, aber es wird auch kurz erwähnt wie die Produktion
zustande kam. Ein interessantes Zeitdokument, das die BBC laut Cover sogar
von einer Privataufnahme der Ausstrahlung übernehmen mußte, weil
in den Archiven keine Kopie mehr existierte.
Tomorrow's
World Sequence ist noch eine Rarität aus den Archiven der BBC -
eine zweieinhalbminütiger Ausschnitt aus einer Sendung, der die Funktionsweise
von Zaphods künstlichem zweiten Kopf erklärt. Das hört sich
alles kompliziert an, ist aber im Grunde genommen nur vorsintflutliches
elektronisches Flickwerk - das war aber schon das beste und teuerste, was
man sich damals mit dem BBC-Budget leisten konnte.
Peter
Jones Introduction ist der einzige Auftritt in Person von der "Stimme"
des Buches. Gedreht wurde diese Einleitung für eine Vorführung
der Pilotfolge vor einem Publikum aus Fans, damit eine "Laughter Track"
aufgenommen werden konnte - eine Idee, die zum Glück wieder verworfen
wurde und von der nur noch dieses originelle Überbleibsel erhalten
geblieben ist.
Auch in den Standarddisziplinen schreckt diese DVD vor nichts zurück:
außer einer zweieinhalb Minuten langen Sammlung von TV- und Radiotrailern
gibt es eine Bildergallerie mit über sechzig gut ausgewälten
Fotos von den Dreharbeiten.
Dokumentationen,
Featurettes, Textkommentar, Bildergallerie ... was will man mehr? Etwas,
was angekündigt war und es doch nie mit auf die DVD geschafft hat,
ist ein Tribut an Douglas Adams. Es gibt eine halbstündige Dokumentation
von 1990 über Douglas Adams, an der auch Simon Jones und David Dixon
auf eine ähnliche Art wie beim Making-Of mitgewirkt haben, die
ich eigentlich an dieser Stelle erwartet hätte. Möglicherweise
hat die BBC jedoch keine Rechte daran und mußte sie deshalb weglassen.
Trotzdem hat die Ausstattung dieser DVD die Erwartungen haushoch übertroffen
- die BBC hat Douglas Adams damit ein würdiges Denkmal gesetzt.
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