Lost in La Mancha
Cover

11.02.2007 #408

von Guido Bibra

Titel Lost in La Mancha
Studio Eastcroft Productions / Low Key Productions / Quixote Films Limited (2002)
Hersteller Optimum Releasing (2003) EAN 5-060034-570431
DVD-Typ 9 (7,58 GB) Bitrate ø 5,4 max. 8,0
Laufzeit 88:57 Minuten Kapitel 16
Regionalcode 2 (England) Case Amaray Transp.
Fernsehnorm PAL
Bildformat 1.33:1 16:9 nein
Tonspuren Dolby Digital 2.0 Surround 192 kbit/s Englisch
Untertitel Keine
Freigabe BBFC 15
Extras • Interviews with Terry Gilliam, Johnny Depp, Keith Fulton and Louis Pepe
• Deleted Scenes
• 2 Alternative Openings
• Video Portraits
• Costume Design and Storyboards from The Man who killed Don Quixote

Der Film

Kaum ein Regisseur hat in seiner Karriere mehr Stolpersteine überwinden müssen als Terry Gilliam, der in den sechziger Jahren als Zeichner und Cartoonist in den USA begann und dann schließlich das einzige amerikanische Mitglied der britischen Komikertruppe Monty Python wurde. In den siebziger Jahren führte Gilliam dann das erste Mal zusammen mit seinem Kollegen Terry Jones bei Monty Python and the Holy Grail einen Kinofilm und wagte sich mit Jabberwocky zwei Jahre später an ein eigenes Filmprojekt. Zwischen den beiden Monty Python-Filmen The Life of Brian und The Meaning of Life gelang es Terry Gilliam mit Time Bandits sein erstes wirklich großes Kinofilm-Projekt zu verwirklichen, was ihm aber den Ruf eines schwierigen und unberechenbaren Regisseurs einbrachte.

Enfant Terrible

Mit seinem nächsten Film Brazil bekam Terry Gilliam es erstmals in voller Härte mit dem amerikanischen Studiosystem zu tun. Die düstere satirische Zukunftsvision kam zwar in Europa in Gilliams eigener Schnittfassung in die Kinos, aber der amerikanische Verleih Universal, der die Produktion mitfinanziert hatte, war der Meinung, daß diese Version des Films zu depressiv und kompliziert wäre und für das US-Publikum gekürzt und verändert werden müßte, um kommerziell erfolgreich zu sein. Gilliam weigerte sich die Kürzungen selbst zu machen und unter der Anweisung von Studiochef Sid Sheinberg wurde eine drastisch umgeschnittene und verfremdete Version von Brazil hergestellt.

Terry Gilliam gelang es jedoch durch regelrechte Guerilla-Taktiken mit Presseaktionen und eigentlich unerlaubten Vorführungen für Studenten und Kritiker Universal zu überzeugen, Brazil in einer von Gilliam selbst um nur zehn Minuten leicht gestrafften, aber immer noch völlig intakten Fassung in die amerikanischen Kinos zu bringen - mehr als ein Dreivierteljahr nach der europäischen Premiere. Brazil wurde kein wirklich großer finanzieller Erfolg und stempelte Terry Gilliam als Regisseur ab, der als zu eigenwillig, frech und nicht anpassungsfähig für große Hollywood-Produktionen galt.

Vom Lügenbaron zu Doc Gonzo

Sein nächster Film brachte Terry Gilliam außerdem den Ruf ein, seine Produktionen nicht unter zu Kontrolle zu haben und ein finanzielles Risiko zu sein - dabei hatte er bei der Verfilmung der Abenteuer des Baron Münchhausen nur das Unglück, an einen Produzenten gelangt zu sein, der ihm finanziell das Blaue vom Himmel versprach. Gilliam mußte seine Vision von Münchhausen stark einschränken, aber es gelang ihm den Film noch einigermaßen zu retten - aber nicht ohne Opfer: das Budget wurde so kräftig überzogen, daß The Adventures of Baron Münchhausen zwar nicht zum künstlerischen, aber zu einem großen finanziellen Fiasko wurde. Gilliam wurde als der Schuldige ausgemacht, dessen phantastische Ideen als großes Risiko für die Filmindustrie angesehen wurden.

Terry Gilliam hatte viele neue Konzepte auf Lager, aber niemanden der ihm die Verfilmung seiner Visionen finanzieren wollte - erst recht nicht nach dem finanziellen Reinfall von Baron Münchhausen. Dem Regisseur und Autor blieb vorerst nichts anderes übrig als mit Auftragsarbeiten weiterzumachen und versuchte bei Columbia, den Mitproduzenten von Münchhausen, mit der soliden Arbeit an The Fisher King seinen Ruf wieder aufzubessern und kehrte mit dem Science-Fiction-Thriller Twelve Monkeys nach zehn Jahren sogar wieder zurück nach Universal. Dort kam er nach dem Ausstieg von mehreren anderen Regisseuren an die Verfilmung von Hunter S. Thompsons autobiographischen, drogengeladenem Roadtrip Fear and Loathing in Las Vegas, die er zu seinem ganz eigenen Projekt machte. Obwohl Gilliam dafür viel positive Kritik erntete, blieb der große finanzielle Erfolg weiterhin aus.

Windmühlenflügel

Während der Arbeiten an Fear and Loathing in Las Vegas begann sich eine von Terry Gilliams Lieblingsideen langsam, aber sicher in die Praxis umzusetzen: eine Verfilmung von Miguel de Cervantes Don Quixote. Schon seit über zehn Jahren hatte Gilliam mit dem Gedanken gespielt, der Geschichte seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. Das große Problem war wie immer die Finanzierung, denn in Hollywood wollte es Gilliam erst gar nicht versuchen und in Europa waren große Budgets um 40 Millionen Dollar beinahe unmöglich zu bekommen - aber mit viel Hartnäckigkeit und Optimismus gelang es Gilliam nach einigen Fehlschlägen schließlich mit Hilfe von vielen europäischen Investoren ein Budget von 32 Millionen Dollar auf die Beine zu stellen.

Gilliam hatte mit seinem langjährigen Mitautor Tony Grisoni schon ein so gut wie fertiges Drehbuch ausgearbeitet, das schon wie bei Münchhausen die ursprüngliche Geschichte völlig umkrempelt und die Grenzen zwischen Phantasie und Wirklichkeit noch mehr zum Thema machte als die Vorlage. Unter dem Titel The Man who killed Don Quixote entstand eine Kreuzung von Cervantes Geschichte mit Mark Twains A Connecticut Yankee in King Arthur's Court - Quixotes treuer Freund Sancho Panza kam nur zu Beginn vor und wurde im Laufe des Plots von einem Geschäftsmann aus dem 21. Jahrhundert abgelöst, der sich plötzlich im 16. Jahrhundert wiederfindet und auf Don Quixote trifft.

Der Weg nach La Mancha

Mit einem Budget von sehr knappen 32 Millionen Dollar für eine grandiose und aufwendige Produktion konnte sich Gilliam eigentlich keine großen Schauspieler leisten – aber einige seiner alten Bekannten waren bereit, auch mit einer niedrigeren Gage am Film mitzuwirken. Für Don Quixote konnte Terry Gilliam den französischen Schauspieler Jean Rocheford begeistern, der für seine Rolle extra Englisch gelernt und sich über ein Jahr auf die Dreharbeiten vorbereitet hatte. Die Rolle des Zeitreisenden Toby Grisoni wurde mit dem vielseitigen Johnny Depp besetzt, der mit Terry Gilliam schon zuvor in Fear and Loathing in Las Vegas zusammengearbeitet hatte. In weiteren Nebenrollen waren Vanessa Paradis, Miranda Richardson, Jonathan Pryce und viele andere hochkarätige Schauspieler vorgesehen - viele davon kamen allerdings gar nicht mehr zum Einsatz.

Nach vielen Verzögerungen, Rückschlägen und anderen Problemen, von denen sich Terry Gilliam aber nicht abschrecken ließ, konnten die Dreharbeiten schließlich in Spanien mit den ersten Außenaufnahmen beginnen. Aus Termingründen waren von den Hauptdarstellern nur Jean Rocheford und Johnny Depp vor Ort und die Zeit rannte davon - das Budget war so knapp, daß jede Abweichung vom Plan viel Geld kosten würde und unbedingt vermieden werden mußte. Es war ein vielversprechender Anfang an einem bemerkenswerten Drehort in der spanischen Wüste nördlich von Madrid, aber bald wurde die Filmproduktion schon von unglaublichem Pech verfolgt.

Spanische Pechsträhne

Schon beim Drehen der ersten Filmbilder begannen sich große Probleme einzuschleichen. Der Drehort befand sich in der Nähe einer Nato-Basis, und gerade als das erste Mal die Kamera lief donnerten Kampfjets über den Himmel und irritierten nicht nur die Schauspieler, sondern machten auch Tonaufnahmen so gut wie unmöglich. Terry Gilliam entschied sich aber dazu trotz der enormen Lärmbelästigung mit den Dreharbeiten fortzufahren und den Ton später im Studio aufzunehmen. Damit konnten schon einige Aufnahmen gedreht werden, aber der zweite Drehtag wurde von einer der schlimmsten Feinde heimgesucht, die ein Filmemacher haben kann: schlechtes Wetter.

Ein sintflutartiges Gewitter brach mitten in den Dreharbeiten über Schauspieler und Crew hinein, die gerade noch sich selbst und die Ausrüstung in Sicherheit bringen konnten. Es entstanden nur wenige Schäden, aber der größte Verlust war die atemberaubenden Kulisse, deren trockener Sandstein durch die schweren Regengüsse am nächsten Tag völlig anders aussah als vorher - mehr als einzelne Nahaufnahmen zu drehen war überhaupt nicht mehr möglich, aber Terry Gilliam ließ sich auch davon nicht abschrecken und versuchte das beste aus der Situation zu machen und möglichst viel verwertbares Material zu drehen.

Von diesen Problemen hätte sich The Man who killed Don Quixote eigentlich noch erholen können, aber nach und nach ging eine Sache nach der anderen schief. Wirklich ernst wurde es erst, als die Filmemacher bemerkten, daß Hauptdarsteller Jean Rocheford unter starken Schmerzen litt und sich kaum noch auf seinem Pferd halten konnte. Zu diesem Zeitpunkt faßten die Filmemacher erstmals den teuren Entschluß, die Dreharbeiten zu unterbrechen und am anschließenden Wochenende zu überlegen wie es weitergehen sollte.

Die Windmühlen der Realität

Terry Gilliam war besorgt, als Hauptdarsteller Jean Rocheford nach Frankreich zurückflog um sich wegen einer möglichen Prostata-Infektion behandeln zu lassen - ohne einen Hauptdarsteller konnten die Dreharbeiten unmöglich weitergehen. Außerdem begannen die Produzenten und vor allen Dingen die Investoren Druck auf die Filmcrew auszuüben, denn in den Verträgen war geregelt, daß die Versicherungen nicht für "Force Majeure" aufkommen mußten und beim Ausfall der Dreharbeiten keine Kosten übernahmen. Dann kam die schlimme Nachricht aus Frankreich: Jean Rocheford hatte sich einen doppelten Leistenbruch zugezogen und hätte erst nach einigen Tagen oder sogar Wochen zurück nach Spanien kommen können.

Zuvor hatte Terry Gilliam noch versucht mit Johnny Depp einige andere Szenen zu drehen, in denen Jean Rocheford nicht dabei sein mußte, aber der Besuch von den Geldgebern auf dem Set machte klar, daß es so nicht weitergehen konnte. Co-Regisseur Phil Patterson zog die Notbremse und machte Terry Gilliam klar, daß er auf diese Weise nicht mehr weiterarbeiten wollte, weil er zu den Produzenten kein Vertrauen mehr hatte - und dem Regisseur blieb nichts anderes übrig als ebenfalls aufzugeben, damit der finanzielle Schaden nicht noch größer wurde. Schwer enttäuscht, aber in dem Wissen daß er alles getan hatte um seine Vision von Don Quixote zu verwirklichen, brach Terry Gilliam das Millionenprojekt ab. Die Investoren bekamen ihr Geld zurück, allerdings mit dem unangenehmen Nebenwirkung daß das Drehbuch und alle Rechte am Film nun den Versicherungen gehörten.

Die Dokumentation

The Man who killed Don Quixote wäre nur eine von vielen gescheiterten Filmproduktionen gewesen, von denen man nie wieder etwas gehört hätte, wenn Terry Gilliam nicht die Idee gehabt hätte, die Entstehung des Films von Anfang an dokumentieren zu lassen. Er wandte sich an Keith Fulton und Louis Pepe, die schon vor einigen Jahren die Dreharbeiten von Twelve Monkeys mit The Hamster Factor festgehalten hatten - eigentlich waren die beiden Filmemacher gar nicht an einer weiteren Dokumentation interessiert, aber Terry Gilliam war so begeistert daß sie nicht nein sagen konnten. Zuerst noch ohne eigenes Budget und nur mit einer minimalen Ausrüstung ausgestattet, begannen sie Terry Gilliam bei den frühen Vorbereitungen in Spanien zu begleiten - ihre Kosten deckten sie zuerst mit ihren eigenen Kreditkarten, bis sie von einer befreundeten Produzentin Unterstützung bekamen.

Ursprünglich wollten Fulton und Pepe nur eine einstündige Dokumentation fürs Fernsehen und die ganz sicher kommende DVD-Veröffentlichung des Films drehen, aber als sich langsam aber sicher herausstellte, daß es gar nicht mehr zu einem fertigen Film kommen würde, nahm ihr Projekt eine ganz andere Dimension an. Da, wo andere Filmemacher längst den Dokumentarfilmern den Stecker aus der Kamera gezogen hätten, ließ Terry Gilliam Keith Fulton und Louis Pepe weiterdrehen - gerade zu dem Zeitpunkt, als der Regisseur das Gefühl bekam, daß aus seiner Produktion möglicherweise kein fertiger Film mehr herauskommen würde, ermunterte er die beiden Dokumentarfilmer weiterzumachen. Wenn schon The Man who killed Don Quixote zum scheitern verurteilt war, sollte der Film wenigstens in einer völlig anderen Form überleben.

Auf der Jagd nach dem verlorenen Film

Lost in La Mancha hieß der anderthalbstündige Film, den Keith Fulton und Louis Pepe aus Bergen von Rohmaterial nicht nur hastig zusammengeschnitten, sondern in einer fast zweijährigen Arbeit sorgfältig und professionell produziert hatten, nachdem sie ihre Produzenten und Geldgeber überzeugen konnten, daß der beste Weg war aus der ursprünglichen Fernsehdokumentation einen eigenständigen Film zu machen. Die beiden Filmemacher hatten das volle Vertrauen von Terry Gilliam, der Filmcrew und den Schauspielern, die ihnen freie Hand gaben die wahre Geschichte der gescheiterten Dreharbeiten von The Man who killed Don Quixote zu erzählen. Die Unterstützung war so groß, daß für die Dokumentation eine eigene Filmmusik und sogar Gilliam-typische Animationen möglich waren, und mit Jeff Bridges fand sich auch ein ausgezeichneter Sprecher für das Voiceover.

Heraus kam eine durch und durch ungewöhnliche Dokumentation - ein Film über einen Film, den es nie gab. Keith Fulton und Louis Pepe ist es gelungen durch die ungewöhnliche Kooperation der Filmemacher und Schauspieler die Entstehung des Films auf eine unaufdringliche, aber scharf beobachtende Weise festzuhalten ohne dabei den Eindruck zu machen das große Pech der Dreharbeiten zu sensationalisieren und auszunutzen. Viel mehr bekommt man ein faszinierendes Portrait von Terry Gilliam und viele sonst kaum erwähnte Aspekte des Filmemachens zu sehen, die auf eine sehr menschliche Weise zeigen was alles bei den Dreharbeiten eines Films schiefgehen kann.

Lost in La Mancha war zwar als Fernsehfilm geplant, wurde aber zuerst dann doch auf der großen Leinwand gezeigt: die Premiere fand auf dem Internationalen Filmfestival in Berlin im Februar 2002 statt, danach wurde die Dokumentation im Laufe des Jahres noch auf vielen weiteren Filmfestivals gezeigt und konnte auch die hartnäckigsten Kritiker begeistern. Die große Publicity um Lost in La Mancha hatte ungeahnte Langzeit-Auswirkungen, denn die Prophezeihung am Ende des Films, daß Terry Gilliam sich um den Rückkauf der Rechte bemühen würde, bewahrheitete sich 2006: der Regisseur kündigte an, daß die rechlichen Streitigkeiten um The Man who killed Don Quixote gelöst waren und nun einem neuen Versuch theoretisch nichts mehr im Weg stehen könnte - Terry Gilliam hat noch nicht aufgegeben.



Die DVD

Lost in La Mancha wurde im Frühjahr 2003 zuerst in England von Optimum Releasing veröffentlicht, die eine erstaunlich gut gelungene DVD zusammengestellt hatten. Außer der Dokumentation selbst sind auch noch eine Menge Extras auf der einzelnen Disc untergebracht worden - mit Deleted Scenes, Interviews, Bildergalerien und anderem bekommt man auf dieser DVD vieles geboten, daß man bei einer Dokumentation eigentlich kaum erwartet.

Einige Monate nach der britischen DVD wurde auch noch eine amerikanische Disc veröffentlicht, die alle Extras der Optimum-DVD und noch zwei lange zusätzliche Interviews mit Terry Gilliam enthielt. Da aber auch über drei Jahre später der Preis der RC1-Version immer noch übertrieben hoch ist und die englische DVD inzwischen für unter zehn Euro zu bekommen ist, kann man ruhig zu der hier rezensierten Ausgabe greifen, die alles wichtige an Extras mitbringt.

Bild

Lost in La Mancha wurde größtenteils mit digitalen Videokameras im DV-Format gedreht, hat aber trotzdem eine ausgezeichnete Bildqualität. Für die DVD wurde kein Filmprint verwendet, sondern ein sehr gut konvertiertes Videomaster, das anscheinend im PAL-Format vorlag und ein sauberes progressives Bild liefert.

Leider wurde die Dokumentation nicht in 16:9 produziert, wodurch das 1.33:1-Bildformat der DVD korrekt ist. Da es nur sehr wenige Ausschnitte aus dem in 2.35:1 gedrehten zu sehen gibt, hätte sich eine anamorphe Abtastung des Materials sowieso nicht gelohnt. Die Qualität ist durchgehend auf einem sehr hohen Niveau und verrät erst bei ganz genauem Hinschauen ihre Herkunft. Videotechnische Artefakte wie Rauschen, Zeilenflimmern oder Ähnliches sind dank der digitalen Aufzeichnung auf einem Minimum, und wenn sie auftauchen dann nur bei besonders schlechter Beleuchtung.

Die Schärfe kann bedingt durch die eingesetzten DV-Kameras natürlich nur auf einem durchschnittlichen Niveau sein, ist aber für eine Dokumentation im Prinzip völlig in Ordnung - es hat im Bonusmaterial mancher DVD schon erheblich schlechteres gegeben, und wenn man die Umstände der Entstehung bedenkt, ist es erstaunlich wie lebending die digitalen Videoaufnahmen aussehen ohne den Eindruck von einer billigen Hobby-Videokamera zu erwecken. Viel manipuliert wurde das Videomaster nicht, so daß man von übermäßigen Filtern und anderen Problemen verschont bleibt.

Die wenigen fertiggedrehten Szenen des Films wurden im 2.35:1-Originalformat in die Dokumentation integriert und haben zwar nicht ganz die Qualität eines Highdef-Transfers, sehen aber viel besser aus als ein einfacher Workprint - anscheinend wurde ein komplettes Farbtiming gemacht, so daß der Unterschied zwischen der Videoaufzeichnung der Dokumentarfilmer und dem fertigen Film umso beeindruckender wirkt. Nur an den gelegentlich durchs Bild huschenden weißen Kratzer bemerkt man, daß es sich um eine Arbeitskopie handeln muß.

Die Bitrate der MPEG-Kompression pendelt zwischen 2 und 8 Mbit/s und wurde mit einem sehr intelligenten Decoder erstaunlich gut angepaßt, so daß die 89 Minuten der Dokumentation gerade einmal mit 3.3 Gigabyte Platz auskommen - Kompressionsartefakte sind trotzdem überhaupt nicht auszumachen. Den Umständen entsprechend hat diese DVD eine ausgezeichnete Qualität zu bieten.

Ton

Nichts besonderes sollte man bei der Tonspur erwarten, denn mehr als Mono-Ton mit Stereo-Musik bekommt man natürlich nicht geboten - für eine Dokumentation ist das aber mehr als ausreichend und die eigentliche Tonqualität ist ganz ausgezeichnet.

Der größte Teil der Tonspur besteht natürlich aus dem direkt vor Ort aufgenommenen Ton, der den Umständen entsprechend bemerkenswert gut ist. Auf eine aufwendige Stereo-Abmischung wurde natürlich verzichtet, aber den Filmemachern ist es gelungen die Klangkulisse sehr gut einzufangen. Dank der verwendeten Funkmikrofone, die Terry Gilliam und einige andere der Filmcrew bei den Dreharbeiten trugen, sind die Stimmen immer bestens verständlich, obwohl viel genuschelt wird - Jeff Bridges' Voiceover ist natürlich davon nicht betroffen.

Wenigstens ein bißchen Raumklang wird durch Miriam Cutlers spanisch angehauchte Musik erzeugt, die eigentlich nur in einer angenehmen Stereo-Abmischung vorliegt, aber auch mit eingeschaltetem ProLogic-Decoder sehr gut klingt. Dadurch landet ein Teil der Musik auch auf dem Surroundkanal, wodurch der Ton nicht nur auf die vorderen drei Lautsprecher beschränkt ist. Es ist natürlich kein echter Raumklang, hört sich aber nicht schlecht an und dürfte auch so in den Kino-Aufführungen von Lost in La Mancha abgespielt worden sein.

Leider ist diese DVD mit keinerlei Untertiteln ausgestattet worden, was trotz der guten Verständlichkeit der Stimmen etwas schade ist, da viel durcheinander geredet wird.

Bonusmaterial

Optimum hat der britischen DVD-Veröffentlichung von Lost in La Mancha erstaunlich viele Extras spendiert, die zeigen daß das Studio eng mit den Dokumentarfilmern zusammengearbeitet haben muß. Kommentarspuren und Dokumentationen sind natürlich unsinnig und nicht dabei, aber jede Menge zusätzliches Material das in der fertigen Version der Dokumentation nicht verwendet wurde. Auch das Menüdesign ist mit den Gilliam-typischen Animationen wirklich hervorragend gelungen.

Zwei verschiedene Interviews mit Terry Gilliam (32:05) und Johnny Depp (19:38), die nach den abgebrochenen Dreharbeiten von The Man who killed Don Quixote entstanden sind, enthalten noch mehr zusätzliche Informationen über die gescheiterte Filmproduktion - im Gegensatz zur Dokumentation sind diese Interviews aber sehr formell.

In zwei weiteren Interviews mit den Dokumentarfilmern Louis Pepe (7:43) und Keith Fulton (6:46) erfährt man einige Hintergründe über die Entstehung der Dokumentation selbst - sozusagen eine kleine Doku über die Doku, wobei diese Interviews nur ein Ausschnitt aus längerem Material zu sein scheinen.

Im Menü Extra Scenes befinden sich neun herausgeschnittene oder alternative Szenen, die alle von ausführlichen Texttafeln eingeleitet werden. Dabei handelt es sich nicht um überflüssiges Material, sondern um sehr interessante Szenen, die hauptsächlich aus zeitlichen und dramaturgischen Gründen nicht verwendet wurden:
• Alternate Opening #1 (4:00)
• Alternate Opening #2 (1:54)
• Alberto Iglesias (2:20)
• Els Comediants (2:03)
• Props (0:58)
• Contract (2:02)
• Paco Clemente (2:40)
• Depp/Rochefort (1:40)
• Bullfights (0:49)

Die Video Portraits (4:40) waren ein Versuch, die Filmemacher mit Hilfe von besonderen Portraitaufnahmen vorzustellen - eine Idee, die später verworfen wurde. Hier sind die Rohfassungen der Poritaitaufnahmen aber alle zu sehen.

Die Sound Bites sind trotz der Bezeichnung keine Audioaufnahmen, sondern in der Dokumentation nicht verwendetes Interviewmaterial, das aus gutem Grund von den Extra Scenes getrennt wurde, weil es sich wirklich nur um "Talking Heads" handelt. Trotzdem erfährt man hier noch so manche interessante Dinge, die lediglich aus Zeitgründen herausgeschnitten wurden:
• The Adaptation of Cervantes Don Quixote (6:25)
• Gilliams Attachment to the Material (2:53)
• The Choice of Jean Rocheford as Don Quixote (4:07)
• Difficulties in financing the film (8:14)
• The previous attempt to make the Film (1999) (4:22)
• The collapse of the most recent attempt (2000) (2:47)

Die Storyboards & Production Stills sind nicht sehr zahlreich bestückt, aber dafür sehr gut ausgesucht, in Bildschirmfüllenden Formaten und wirklich eine Augenweide:
• Benjamin Fernandez Production Designs (11 Bilder)
• Gabriella Pesucci Costume Designs (18 Bilder)
Terry Gilliam Storyboards:
   • Scene 1 (4 Seiten)
   • Scene 108 (14 Seiten)
   • Scene 121 (10 Seiten)
• Stills Gallery (9 Bilder)

Der Theatrical Trailer (1:32) ist in bester Qualität dabei, aber erstaunlicherweise auf 1.85:1 gemattet worden - was nicht bedeutet, daß die Dokumentation selbst auf dieser DVD nun im falschen Bildformat vorliegt, sondern daß der Trailer unnötigerweise gemattet wurde.


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