How To Steal A Million
Cover

29.3.2004 #253

Update vom 4.4.2011
von Guido Bibra

Titel How To Steal A Million (Wie klaut man eine Million?)
Studio 20th Century Fox (1966)
Hersteller 20th Century Fox Home Entertainment (2004) EAN 7-15515-01032-0
DVD-Typ 9 (6,95 GB) Bitrate ø 7,99 max. 9,9
Laufzeit 118:42 Minuten Kapitel 24
Regionalcode 2 (Deutschland) Case Amaray I tr.
Fernsehnorm PAL
Bildformat 2.35:1 16:9 ja
Tonspuren Dolby Digital 2.0 Mono 192 kbit/s Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Untertitel Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Schwedisch
Freigabe MPAA R
Extras • Keine

Der Film

Charles Bonnet (Hugh Griffith) ist in der Pariser Kunstszene als Sammler bekannt, der auch gerne mal eines seiner seltenen Stücke zu stattlichen Summen verkauft. In Wirklichkeit ist er aber ein gewiefter Kunstfälscher, wovon aber nur er und seine Tochter Nicole (Audrey Hepburn) wissen. Eines Tages erwischt Nicole einen vermeintlichen Einbrecher, der sich als der ziemlich tolpatschige Simon Dermott (Peter O'Toole) herausstellt. Nicole fährt den angeschlagenen Möchtegern-Einbrecher, den sie aus Versehen angeschossen hat, sogar noch zu seinem Hotel - allerdings ohne herauszubekommen, was er eigentlich wirklich im Haus ihres Vaters zu suchen hatte. Kurz darauf bringt sich Charles Bonnet in eine prekäre Lage: er leiht seinen größten Schatz, eine kostbare, aber gefälschte Venus-Statue an ein Museum aus, ohne dabei an Versicherungen und Echtheitsüberprüfungen zu denken. Aber Nicole hat eine Idee: sie spitzt Simon an, mit ihr zusammen die Statue aus dem gut bewachten Museum zu stehlen...

 


1953 hatte der amerikanische Regisseur William Wyler auf der Suche nach einer Hauptdarstellerin für seine romantische Komödie Roman Holiday eine junge europäische Schauspielerin namens Audrey Hepburn entdeckt, die in den fünfziger und sechziger Jahren zu einer der begehrtesten Darstellerinnen ihrer Zeit wurde, aber mit ihren Rollen immer sehr wählerisch war. Ursprünglich hatte William Wyler die Idee, mit Audrey Hepburn und Gregory Peck nach Roman Holiday noch einen weiteren Film zu drehen, aber durch die rasante Karriere der Schauspielerin und anderen Projekten des Regisseurs kam es vorerst nicht dazu. In den fünfziger Jahren war Wyler unter anderem für den Western The Big Country und das Sandalen-Epos Ben-Hur verantwortlich, konnte aber auch 1961 mit Audrey Hepburn und Shirley MacLaine das Drama The Children's Hour drehen.

Mitte der sechziger Jahre war Audrey Hepburn entgültig zu einem großen Hollywoodstar geworden und William Wyler sah die Chance, sie wie in Charade in einer romantischen Krimikomödie zu besetzen. Angeregt durch den Erfolg des Heist-Genres, das gerade durch Jules Dassins Rififi und Topkapi besonders in Fahrt gekommen war und schon beinahe den Höhepunkt erreicht hatte, ließ Wyler von Drehbuchautor Harry Kurnitz auf Basis einer Geschichte von George Bradshaw ein Drehbuch für eine Museums-Einbruchs-Komödie schreiben, die ganz auf die Hauptdarsteller zugeschnitten war. Gregory Peck war aber gerade mit Arabesque, einer anderen Krimikomödie, beschäftigt und beinahe wäre auch Audrey Hepburn aufgrund ihres Alters ausgeschieden, da Schauspielerinnen jenseits der 30 im Hollywood der sechziger Jahre längst keine jungen Damem mehr spielen durften.

William Wyler bestand aber auf seiner Leading Lady und war besonders nach ihrem Auftritt als Eliza Doolittle in My Fair Lady davon überzeugt, daß sie für die Rolle der Tochter eines reichen Kunstfälschers ideal war. Mit dem Ausscheiden von Gregory Peck war aber die Besetzung der männlichen Hauptrolle nicht einfach, aber nachdem Audrey Hepburn in vielen ihrer früheren Filme immer viel ältere männliche Partner an die Seite gestellt worden waren, sollte es diesmal auf jeden Fall jemand im gleichen Alter sein. Wer alles für die Rolle in Betracht gezogen wurde, ist kaum überliefert, aber letztendlich hatten sich die Filmemacher für den irischen Schauspieler Peter O'Toole entschieden, der seine Karriere auf den britischen Theaterbühnen als Shakespeare-Könner begonnen hatte und seit seinem Kino-Durchbruch 1962 mit Lawrence of Arabia zu einem großen Star geworden war.

Peter O'Toole, der sich 1965 nach zuvor mehr ernsten Rollen in Woody Allens Kinodebüt What's New, Pussycat erstmals als Komödiant bewiesen hatte, war mit seinem spitzbübischen Charme perfekt für die Rolle des vermeintlichen Kunstdiebs Simon Dermott und ein idealer Partner für Audrey Hepburn. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern war hervorragend und auch wenn man sowohl Hepburn als auch O'Toole vielleicht nachsagen könnte, daß sie doch nur sich selbst spielen, sprühen sie beide in How To Steal A Million nur so mit Charme um sich und machen ihren Auftritt alleine dadurch zu einem großen Vergnügen.

Äußerst treffsicher waren auch die Nebenrollen besetzt worden. Der großartige Hugh Griffith, der in jungen Jahren genauso wie Peter O'Toole auf den englischen Shakespeare-Bühnen begonnen hatte und dann als Charakterdarsteller auf die Leinwand gewechselt war, gab einen wundervollen Auftritt als exzentrischer Kunstfälscher Charles Bonnet und spielte nicht nur mit seinen berühmten Markenzeichen, den buschigen Augenbrauen und dem luxuriösen Bart, seine Kollegen fast an die Wand. Mehr zufällig besetzt wurde der schmierige Kunstliebhaber Davis Leland, für den ursprünglich George C. Scott vorgesehen war, der aber von William Wyler am ersten Drehtag wegen Unpünktlichkeit gefeuert wurde. Für ihn sprang kurzfristig der vielbeschäftigte und vielseitige Eli Wallach ein, der eindrucksvoll bewies, daß er nicht nur die zweite Wahl war und seine Rolle mit viel hintergründigem Augenzwinkern spielte. Nicht weniger beeindruckend sind aber die französischen Nebendarsteller, von denen Jacques Marin, der schon in Charade dabei war, sowie der nicht zu verfehlende Moustache besonders auffielen.

How To Steal A Million kann nicht mit einem besonders raffinierten Plot aufwarten, denn die Story ist relativ einfach und geradlinig - aber Harry Kurnitz hatte aus der recht simplen Idee trotzdem eine ausgewachsene Geschichte gemacht, die mit der einen oder anderen Überraschung aufwarten konnte. Platz für viele komplexe Handlungsstränge war im Drehbuch nicht übrig, aber stattdessen wurde das Script voll und ganz auf die Darsteller ausgerichtet und jede Menge spritziger Dialog geschrieben. Der Film läßt sich sehr viel Zeit mit seinem Plot, dessen erste Hälfte sich ausschließlich mit einer ausführlichen Vorstellung der Charaktere und der Vorbereitung des Einbruchs beschäftigt, während sich der Rest des Films mit der Ausführung und den Nachwirkungen des Verbrechens widmet. Der etwas langatmige Beginn wird durch den kongenial inszenierten Museums-Einbruch wieder wett gemacht, der weniger auf komplizierte Action als auf clevere Ideen setzt und sich gerade dadurch von anderen Filmen des Genres völlig unterscheidet. Der eigentliche Plot wird dadurch fast zur Nebensache und die einzige negative Eigenschaft, die man dem Film anlasten kann, ist daß er einen kleinen Hauch zu lang ist.

Seinen ganz besonderen Charme hat How To Steal A Million aber dem Umstand zu verdanken, daß 20th Century Fox ein großes Budget zur Verfügung gestellt und damit Dreharbeiten in Paris ermöglicht hatte. Genauso wie Charade konnte der Film dadurch mit jeder Menge Lokalkolorit aufwarten, aber wirklich zum Leben erweckt wurde die Geschichte durch die aufwendigen Kulissen von Alexandre Trauner, dem legendären Produktionsdesigner, der zuvor schon viel mit Billy Wilder zusammengearbeitet hatte und sogar schon für Jules Dassins Rififi zuständig war. Mit den detailreich gestalteten Sets, die von Bonnets verstaubtem Dachboden über luxuriöse französische Altbauwohnungen bis zu einem ganzen Museum reichten, hatte Alexandre Trauner eine wundervolle Atmosphäre geschaffen. Auch die Musik des jungen John(ny) Williams trug dazu bei, auch wenn die wenigen stark melodiösen Themen noch überhaupt nicht seinen späteren Werken entsprachen.

Obwohl How To Steal A Million schon 1966 ein altmodischer Film war und mehr in die fünfziger Jahre gepaßt hätte, war er sowohl in den USA als auch in Europa ein überraschend großer Erfolg und entwickelte sich zusammen mit den anderen Filmen seines Genres schon bald zum Geheimtip und Klassiker. Es war William Wylers drittletzter Film und eine seiner besten Komödien, die auch heute noch dank der aufwendigen Inszenierung und den brillianten Hauptdarstellern viel Spaß macht. How To Steal A Million mag vielleicht etwas altmodisch und für das heutige Mainstream-Publikum zu angestaubt sein, bleibt aber einer der ganz großen Heist-Geschichten der sechziger Jahre.

Die DVD

20th Century Fox hatte 2004 überraschenderweise eine handvoll lang erwarteter Filmklassiker aus dem Archiv geholt, zu denen auch How To Steal A Million gehörte. Dessen DVD war erstaunlicherweise zuerst Anfang 2004 in Europa veröffentlicht worden und besaß zwar keinerlei Bonusmaterial, hatte aber eine ordentliche, wenn auch nicht ganz perfekte Bildqualität und war schon zur Erstveröffentlichung im Niceprice-Segment angesiedelt.

Ärgerlicherweise war nur ein dreiviertel Jahr später im Dezember 2004 eine US-DVD mit einer Kommentarspur und einer Dokumentation über Audrey Hepburn erschienen, so daß die hier rezensierte DVD eigentlich die schlechtere Wahl ist. Es ist aber die einzige DVD des Films, die in Europa und Australien erschienen war und bisher leider noch keine Neuauflage bekommen hat.

Bild

Früher war How To Steal A Million nur in stark verkratzten und verblaßten Versionen zu sehen, die oft auch noch ein falsches Bildformat hatten und von dem ursprünglichen Breitwand-Bild nicht viel übrigließen. Mit dieser DVD hatte Fox diesem Problem aber endlich ein Ende gemacht - zwar hat der neue Transfer ein paar kleine Schönheitsfehler, die aber angesichts der katastrophalen früheren Versionen kaum ins Gewicht fallen.

Gescannt wurde offenbar direkt vom Filmnegativ, das zwar in einem sehr guten Zustand war, aber nicht von allen Verschmutzungen befreit wurde, denn es sind noch einige weiße, punktuelle Dropouts sichtbar. Größere Beschädigungen treten allerdings bis auf eine handvoll Klebestellen am oberen Bildrand nicht auf, aber problematisch sind die vielen Überblendungen und Fade-Outs, bei denen das zusammenkopierte Bild für einen kurzen Augenblick etwas körnig und unscharf wird. Filmkörnigkeit ist nur in sehr geringem Ausmaß bemerkbar, macht allerdings auch nicht den Eindruck stark gefiltert worden zu sein.

Die Schärfe ist hervorragend und kann locker mit aktuellen Filmen konkurrieren, allerdings wurde auch etwas digital nachgeholfen, wodurch bei der Wiedergabe auf Röhrengeräten teilweise ein leichtes Zeilenflimmern entstehen kann. Ganz ausgezeichnet sind die Farben, die eine bemerkenswerte Brillianz haben und gar kein Vergleich mehr zu den verblaßten und farbstichigen früheren Versionen sind. Der Bildstand ist bemerkenswert stabil und leistet sich keine einzige Sekunde lästiges Ruckeln.

Bis auf die gelegentlichen Verschmutzungen erreicht dieser Transfer mühelos Höchstnoten in allen Disziplinen und verrät das Alter des Films kaum. Ob allerdings die später veröffentlichte US-DVD besser aussieht als die PAL-Version, ist mir leider nicht bekannt.

Ton

Leider können die Tonspuren nicht mit der soliden Bildqualität mithalten, denn offenbar wurden keine Magnetton-Master, sondern nur Lichttonspuren verwendet worden. Alle Tonspuren sind in ihren ursprünglichen Mono-Abmischungen zu hören.

Die englische Originalfassung klingt zwar nicht wirklich schlecht, kann sich aber gegenüber anderen Filmen glechen Alters nicht richtig behaupten. Der Klang ist etwas spitz und harsch, was besonders der Musik nicht gut bekommt, die teilweise sogar etwas verzerrt klingt. Auch die Stimmen hören sich etwas dünn an, was allerdings die Verständlichkeit nicht beeinträchtigt. Rauschen ist überhaupt nicht zu hören, und abgesehen von leichten Verzerrungen in lauteren Passagen sind auch sonst keine Störungen zu hören.

Die deutsche Tonspur hat dagegen einen deutlich hörbaren Rauschpegel, kann aber dafür mit einem besseren Klang bei den Stimmen aufwarten, die allerdings eine nicht unerhebliche Tonstudio-Sterilität nicht verbergen können. Außer den Stimmen klingt die deutsche Fassung ähnlich dünn und verzerrt wie die englische Tonspur, an einigen Stellen sind sogar deutliche Dropouts im Ton hörbar. Verglichen mit den anderen drei Tonspuren klingen die englischen und deutschen Fassungen aber noch richtig gut: die französischen und spanischen Versionen rauschen erbärmlich und sind stark verzerrt, während die italienische Fassung amateurhaft mit einem Rauschfilter so schlimm zugematscht wurde, daß nur noch ein näselndes, zischendes Etwas übrigblieb.

Untertitel sind auf Englisch, Deutsch und vier anderen europäischen Sprachen vorhanden, wobei sich die englischen Untertitel einige seltsame Fehler ausweisen.

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