Who Framed Roger Rabbit CLICK HERE FOR ENGLISH VERSION
Cover

27.3.2004 #321

Re-Write vom 10.4.2009 #452
von Guido Bibra

Titel Who Framed Roger Rabbit
Studio Touchstone Pictures (1988)
Hersteller Touchstone Home Video (2003) EAN 7-86936-07338-6
DVD-Typ 2x9 (7,10 & 7,08 GB) Bitrate ø 6,75 max. 9,0
Laufzeit 103:44 Minuten Kapitel 18
Regionalcode 1 (USA/Kanada) Case Custom-Digipack
Fernsehnorm NTSC
Bildformat 1.85:1 / 1.33:1 16:9 ja
Tonspuren Dolby Digital 5.1 Surround Englisch 2.0 Surround 192 kbit/s Französisch, Spanisch, Kommentar DTS 5.1 Surround Englisch
Untertitel Englisch, Französisch, Spanisch
Freigabe MPAA/Canada PG
Extras Disc One - Family Friendly
• The Roger Rabbit Shorts - Tummy Trouble, Rollercoaster Rabbit, Trail Mix-Up
• "Who Made Roger Rabbit" Mini-Documentary hosted by Charles Fleischer
• "Trouble in Toontown" Set-Top DVD Game
Disc Two - Enthusiast
• Audio Commentary with Filmmakers Robert Zemeckis, Frank Marshall, Jeffrey Price, Peter Seaman, Steve Starkey and Ken Ralston
• "Toontown Confidential" - viewing option with intriguing and hilarious facts and trivia
• Deleted Scene - "The Pig Head Sequence" - with filmmaker commentary
• "Before and After" - split-screen comparison with and without animation
• "Behind the Ears: The True Story of Roger Rabbit" - a new, exklusive in-depth behind-the-scenes documentary
• "Toon Stand-Ins" Featurette - rehearsing with stand-ins for the Toons
• "On Set! Benny the Cab" - the making of a scene from a film
• "The Valiant Files" - interactive set-top Gallery

Der Film

In einer Welt, in der Menschen und Cartoon-Figuren gemeinsam existieren, wird der abgehalfterte Privatdetektiv Eddie Valiant von Filmstudio-Chef R.K. Maroon angeheuert, die Frau seines größten Stars Roger Rabbit zu beschatten. Der hat den bösen Verdacht, daß seine Liebste eine Affaire hat, die Maroon jetzt mit der Hilfe des Detektivs dem Kaninchen-Star beweisen will, um ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen. Valiant, dessen Bruder von einem Toon getötet wurde, nimmt den Job nur ungerne an, beginnt aber Jessica hinterherzuschnüffeln. Die scheint tatsächlich ein Verhältnis mit Marvin Acme, dem Besitzer von Toontown, zu haben - was Roger entgültig in die Verzweiflung treibt. Als Acme plötzlich tot aufgefunden wird, ist Roger der einzige Verdächtige ...

 


Schon oft hat es in der Filmgeschichte Versuche gegeben, Cartoon-Figuren in realen Film zu integrieren - Gene Kellys gemeinsame Tanznummer mit der Maus Jerry im Musical Anchors Aweigh ist eins der frühesten Beispiele, und auch Disney hatte mit Mary Poppins und Pete's Dragon schon in dieser Richtung experimentiert. Mehr als eine Cartoon-Figur in wenigen Sequenzen hatte es aber nie gegeben - mit einer großen Ausnahme: Ende der achtziger Jahre hatte sich eine Riege von experimentierfreudigen Filmemachern zusammengetan, um das Unmögliche zu versuchen: einen abendfüllenden Kinofilm zu drehen, in dem Cartoon-Charaktere mit realen Schauspielern zusammen agieren.

Sein Name ist Hase

Als Gary K. Wolf 1981 seinen Roman Who Censored Roger Rabbit veröffentlicht hatte, war Disney schnell zur Stelle und kaufte die Rechte an der düsteren Detektivroman-Parodie. Ron W. Miller, der damalige Studiochef, hielt den Stoff für ideales Blockbuster-Material, aber gleichzeitig war man auch besorgt, daß die schwarze und zynische Geschichte von einem anderen Studio auf eine Weise verfilmt werden könnte, die kein gutes Licht auf die eigenen Produktionen werfen würde. Schon früh wurde entschieden, nur die grundlegende Idee, eine Welt in der "Toons" gemeinsam mit den Menschen existieren, als Basis für eine Verfilmung zu verwenden.

Robert Zemeckis, der bis dahin nur die beiden recht erfolglosen Filme I Wanna Hold Your Hand und Used Cars gedreht hatte, war sehr an dem Projekt interessiert, aber Disney wollte mit dem noch unbekannten Regisseur kein Risiko eingehen. Auch Terry Gilliam, der gerade mit Time Bandits eine relativ aufwendige Fanatsy-Geschichte gedreht hatte, wurde in Betracht gezogen, aber er lehnte aus Scheu vor dem großen technischen Aufwand ab. Jeffrey Price und Peter S. Seaman, ein Autoren-Team, das bereits die kaum beachtete Detektivfilm-Satire Trenchcoat für Disney geschrieben hatte, wurde mit einer ersten Drehbuch-Version beauftragt, die aber erst einmal auf Eis gelegt wurde.

Die Rückkehr des Kaninchens

Als bei einer Palastrevolte 1984 Ron W. Miller von den Großaktionären Roy E. Disney und Sid Bass gegen die ehemaligen CEOs von Paramount und Warner, Michael Eisner und Frank Wells ersetzt wurde, begann sich das Blatt für das Projekt zu wenden. Um die potentielle Größe der Produktion tragen zu können, holte Eisner Amblin Entertainment, die Produktionsfirma von Steven Spielberg, Frank Marshall und Kathleen Kennedy, an Bord. Jeffrey Katzenberg, der von Eisner mit der Führung von Disneys in Schwierigkeiten geratenen Trickfilm-Abteilung beauftragt worden war, sah in dem neu betitelten Who Framed Roger Rabbit eine Chance, das Zeichentrick-Genre wieder neu zu beleben und holte das Drehbuch wieder aus der Schublade heraus, an dem die ursprünglichen Autoren Jeffrey Price und Peter S. Seaman weiter arbeiteten.

Inzwischen hatte Robert Zemeckis mit Romancing the Stone und Back to the Future zwei große Erfolge auf die Kinoleinwand gebracht und wurde nun doch als Regisseur des Films engagiert, weil Steven Spielberg ursprüngliche Wahl Joe Dante gerade mit Innerspace, einer anderen Amblin-Produktion, beschäftigt war. Die Zeichentrick-Elemente wurden nicht etwa von Disney selbst, sondern von einem spezielle für den Film zusammengestellten Team unter der Leitung des rennomierten unabhängigen Animators Richard Williams produziert. Der kanadische Trickfilmer hatte in den vierziger und fünfziger Jahren bei Legenden wie Chuck Jones und Ken Harris gelernt und hatte sich mit oscar-prämierten Kurzfilmen und animierten Filmvorspännen für Casino Royale, What's New Pussycat und zwei von Blake Edwards Pink Panther-Filme einen Namen gemacht und war der einzige, dem das Studio eine so komplizierte Aufgabe zutraute.

Disney und das große Risiko

Noch war aber die Führungsetage von Disney nicht hundertprozentig von dem Konzept überzeugt und die Filmemacher mußten erst einen Animationstest für die Studiochefs produzieren, um die Unterstützung für ihr Projekt gewinnen zu können. In einer kurzen Sequenz wurde ein animierter Roger Rabbit neben einem Schauspieler in realer Umgebung samt beweglicher Kamera und allem Drum und Dran gezeigt - der Test sah so gut aus, daß die Studiobosse dachten, man hätte einen Schauspieler in einem Hasenkostüm gefilmt. Die Begeisterung war groß, aber das von Amblin vorgeschlagene Budget lag bei 50 Millionen Dollar, die Disney nicht bereit war aufzubringen. Erst als nach schwierigen Verhandlungen die Kosten auf knapp 30 Millionen gedrückt werden konnten wurde dem Projekt endlich grünes Licht gegeben.

Damit Who Framed Roger Rabbit nicht zu einer inhaltsleeren Effektorgie ausartete, schrieben die Drehbuchautoren Jeffrey Price und Peter Seaman einen handfesten Plot, der allerdings nicht mehr viel von der Buchvorlage übrigließ und nur noch wenige von Gary K. Wolfs Ideen verwendete. Das Drehbuch des Films wurde nicht ganz so dunkel und pessimistisch wie seine Vorlage, aber kostete das Film-Noir-Genre genauso gut aus. Die Drehbuchautoren entwarfen eine komplexe Story mit sehr viel Dialog und überraschenden Wendungen, für die sie sich die klassischen Detektivfilm der dreißiger und vierziger Jahre und auch viele Cartoons aus dieser Zeit anschauten, um das richtige Gefühl für die Geschichte zu bekommen, die unter anderem auch Roman Polanskis Chinatown zum Vorbild hatte. Dadurch wurde der Plot nicht nur zur simplen Murder Mystery werden, sondern zu einer noch viel größeren Geschichte um eine Verschwörung gegen die Toon-Gemeinschaft in Hollywood.

Gleichzeitig sollte der Film auch eine große Hommage auf die längst vergangenen Zeiten des Trickfilm-Genres werden, aber damit auch andere klassische Zeichentrick-Charaktere von außerhalb von Walt Disneys Produktionen im Film auftreten konnten, mußten die Filmemacher langwierige Verhandlungen mit den anderen Studios führen. Steven Spielberg gelang es aber, Warner Bros, Paramount, Universal und MGM zu überzeugen, Disney für Who Framed Roger Rabbit eine ganze Reihe von Charakteren zu überlassen, die fast eine dreistellige Anzahl erreichten. Die meisten davon sind nur kurz im Hintergrund zu sehen, aber einer kleinen Auswahl wurden auch längere Szenen gegönnt und im großen Finale haben sie alle einen bombastischen, gemeinsamen Auftritt.

Privatdetektive, Kaninchen und ein böser Richter


Obwohl der Film hauptsächlich von Cartoon-Charaktern bevölkert wurde, war die Besetzung der menschlichen Rollen genauso wichtig um einen starken Gegensatz zu den gezeichneten Mitspielern zu erreichen. Für die Rolle des Detektivs Eddie Vailant waren zuerst Schauspieler wie Robert Redford oder sogar Jack Nicholson im Gespräch, aber letztendlich fand sich mit Bob Hoskins jemand, der gewillt war zusammen mit unsichtbaren Cartoon-Figuren und vor zahllosen Bluescreens zu spielen. Hoskins war die ideale Wahl für die Rolle des toughen, aber müde gewordenen Privatdetektivs, der natürlich eine gelungene humorvolle Hommage an Dashiell Hammets Sam Spade oder den Comic-Star Dick Tracy ist.

Eine der wenigen weiteren tragenenden Rollen ging an Christopher Lloyd, der Judge Doom, den herrlichen Bösewicht des Films mit genüßlichen Grimassen und wenig Makeup spielte und damit aus der neu für den Film geschriebenen Rolle etwas ganz Besonderes machte. Robert Zemeckis hatte schon in Back to the Future mit Lloyd zusammengearbeitet und wußte so ganz genau, zu welchen Leistungen der Schauspieler fähig ist. Schrullige, undurchsichtige Charaktere sind Christopher Lloyds besondere Spezialität, die er in Who Framed Roger Rabbit sehr eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. In weiteren kleinen, aber trotzdem bemerkenswerten Nebenrollen sind unter anderem Komiker-Veteran Stubby Kaye als Marvin Acme, Alan Tilvern als Studioboss R.K. Maroon und Joanna Cassidy als leicht verbrauchte Barkeeperin Dolores zu sehen. Auch bis in die kleinsten Statistenrollen wurde der Film mit besonders einzigartigen Charakteren besetzt.

Die eigentliche Hauptrolle des Films spielt natürlich Toon-Star Roger Rabbit, der zwar wie eine Anlehnung an Bugs Bunny aussieht, aber dennoch ein ganz neu erschaffener Charakter ist. Wie hinter jeder Zeichentrickfigur steckt auch hinter Roger mindestens zur Hälfte ein Mensch, in seinem Fall sogar noch ein bißchen mehr: das Karnickel wurde von Charles Fleischer gesprochen, der trotz hartnäckigen Gerüchten kein Verwandter des berühmten Cartoon-Filmemacher Max Fleischer ist. Charles Fleischer sprach nicht nur seine Overdubs im Tonstudio ein, sondern war auch immer bei den Dreharbeiten dabei, um auf dem Set die Stimme von Roger Rabbit zu spielen. Dabei stand er oft in einem Kaninchenkostüm neben der Kamera und praktizierte so seine eigene Art von Method-Acting. Seine Kollegen waren entweder von seinem Einsatz begeistert oder hielten ihn für verrückt - auf jeden Fall half Fleischers ungewöhnliche Methode den Schauspielern, sich auf einen unsichtbaren Cartoon-Charakter besser konzentrieren zu können.

Roger Rabbits bessere Hälfte wurde von Kathleen Turner gesprochen und von Amy Irving gesungen - eine bemerkenswerte Performance, aber leider wurden keine der beiden Schauspielerinnen namentlich erwähnt. Jessica wurde gerne als typisch weiblicher Stereotyp bemängelt, aber genau das soll ihr Charakter auch sein - eine Parodie auf die übertriebenen Sexbomben in vielen Zeichentrickfilmen. In Who Framed Roger Rabbit wurde dieses Bild natürlich völlig auf die Spitze getrieben, aber wie Jessica sich selbst entschuldigt: "I'm not bad, I`m just drawn this way".

Unter den vielen weiteren Cartoon-Charakteren des Films sind nicht nur die Gäste aus den klassischen Filmen, sondern auch einige auch einige extra für diesen Film neu erschaffene Charaktere. Benny, das Taxi wird auch von Charles Fleischer gesprochen und hat einen kurzen, aber bemerkenswerten Auftritt in der aufwendigen Verfolgungsjagt. Rogers Co-Star Baby Herman ist neben Jessica vielleicht der frechste Charakter des Films, denn das süße Baby aus dem Titelcartoon entpuppt sich als zigarrenrauchender Toon mittleren Alters mit der Sandpapier-Stimme von Lou Hirsch. Als Toon Patrol, die Handlanger von Judge Doom, sind fünf Wiesel zu sehen, die eine zynische Parodie auf die sieben Zwerge sind und die Brutalität von manchen Disney-Cartoons auf die Schippe nehmen.

Klappe für Roger Rabbit

Die Dreharbeiten des Films fanden größtenteils in England statt, weil Animator Richard Williams nicht in den USA arbeiten wollte. In den Elstree Studios wurden die von Elliot Scott und Roger Cain mit großem Aufwand gestalteten Sets aufgebaut, die das Hollywood vom Ende der vierziger Jahre so authentisch wie nur möglich reproduzierten und sogar eine funktionierende Straßenbahn besaßen - nur eine handvoll Außenaufnahmen mußten in Hollywood gedreht werden. Die Dreharbeiten konnten schließlich Anfang Dezember 1986 beginnen, verliefen aber wegen der noch nie zuvor in diesem Umfangversuchten Kombination aus Trick- und Realfilm nicht ganz problemlos und dauerten mehr als ein halbes Jahr.

Regisseur Robert Zemeckis hatte ursprünglich vor, den realen Teil von Who Framed Roger Rabbit als ganz normalen Film zu drehen, was allerdings wegen der Integration der Trickfilm-Elemente nur in wenigen Szenen möglich war. Da die gezeichneten Charaktere nicht nur mit den Schauspielern, sondern oft auch mit echten Gegenständen interagieren sollten, war für einige Sequenzen ein enormer Aufwand notwendig. Menschen und Toons sollten im Film nicht nur nebeneinander stehen, sondern sich auch gegenseitig berühren können. Das erforderte eine Menge Vorstellungskraft der Schauspieler, die oft ins Leere greifen mußten - diejenigen, die damit am besten zurechtkamen, waren zum Glück mit Bob Hoskins und Christopher Lloyd auch die, die am meisten damit zu tun hatten.

Der große Aufwand bei den Dreharbeiten führte jedoch dazu, daß sich die Produktion immer mehr in die Länge zog und das Budget immer weiter überschritten wurde. Als bereits 40 Millionen Dollar ausgegeben waren, wollte Disney-Chef Michael Eisner die Reißleine ziehen und die Produktion einstellen - aber Jeffrey Katzenberg konnte ihn gerade noch überzeugen, dem fast schon fertigen Film noch eine Chance zu geben. Das sollte sich als genau die richtige Entscheidung herausstellen, denn Robert Zemeckis und seine Crew waren sich die ganze Zeit des hohen Risikos bewußt, aber nach den anfänglichen Schwierigkeiten auch völlig sicher, daß ihre bahnbrechende Methode, Real- und Trickfilm miteinander zu mischen, funktionieren würde.

Der Trick mit dem Trickfilm

Die Zeichentrick-Elemente des Films entstanden nicht bei Disney, sondern wurden von einem speziell zusammengestellen Team unter der Leitung des renommierten Freelance-Animators Richard Williams produziert. Man hatte es nicht mit einem normalen Zeichentrick-Film zu tun, die Anforderungen gingen weit über das normale Maß hinaus, so daß viele Arbeitsmethoden erst einmal neu erfunden werden mußten. An Computerunterstützung war 1987 noch überhaupt nicht zu denken, so daß alles per Hand gezeichnet wurde. Um die Zeichentrick-Charaktere so nahtlos wie möglich zu integrieren, wurde von jedem einzelnen Filmbild ein Abzug gemacht, auf dessen Grundlage die Animatoren dann zeichneten. Später wurden dann Animation und Realfilm optisch zusammenkopiert, was bei einigen Szenen hunderte von verschiedenen Schichten bedeutete. Insgesamt wurden über 80000 einzelne Trickfilmbilder für den Film gezeichnet.

Obwohl die Animation unter großem Zeitdruck produziert wurde und erst in allerletzter Minute fertig wurde, gelang das Zusammenspiel der beiden Elemente so hervorragend, daß die eigentlich zweidimensionalen Charaktere in der dreidimensionalen Umgebung gar nicht wie Fremdkörper wirkten. Dafür sorgte auch die enge Zusammenarbeit der Animatoren mit ILM, die für die sonstigen Special-Effects des Films zuständig waren. Arbeitsintensiv, aber technisch nicht so aufwendig wie der Rest des Films war der Eröffnungscartoon, der ein kleines Meisterwerk der Trickfilm-Kunst wurde und den Stil von klassischen Cartoon-Kurzfilmen nicht parodierte, sondern viel mehr eine liebevolle Hommage auf seine Vorbilder war.

Tooney Tunes

Zur nostalgischen Hollywood-Atmosphäre der Geschichte gehörte auch eine entsprechende Filmmusik, für die sich die Filmemacher an Alan Silvestri wandten, der schon für Robert Zemeckis' und Steven Spielbergs Back to the Future eine hervorragende Score geschrieben hatte und vor der Herausforderung stand, eine passende musikalische Untermalung für Who Framed Roger Rabbit zu komponieren. Dafür kam nur ein Stil in Frage: die jazzigen, mysteriösen und melancholischen Klänge der Detektiv-Reißer aus den vierziger Jahren. Alan Silvestri spielte die Musik mit dem Londoner Symphonie-Orchester und einer erlesenen Gruppe von Jazzmusikern wie Bassist Chuck Domaninco, Trompeter Jerry Hey, Schlagzeuger Harvey Mason, Saxophonist Tom Scott und Pianist Randy Waldman ein.

Mit den typischen, lärmenden Cartoon-Melodien wurde aber auch eine völlig andere Art von Musik benötigt, für die sich Alan Silvestri eng an den Loony-Tunes-Komponisten Carl Stalling hielt. Auch ein richtiger Jazz-Song ist in Form von Jessica Rabbits Bühnenauftritt zu hören, der aber keine Neukomposition, sondern ein alter Standard war - Joe McCoys Why don't you do right war in den dreißiger und vierziger Jahren ein großer Hit und paßt in diesen Film wie angegossen. Ein zweiter, völlig anderer Song ist während Eddie Valiants ersten Besuch in Toontown und am Schluß des Films zu hören: Smile, Darn Ya, Smile könnte nicht besser ausgesucht worden sein, denn er stammt aus Warners gleichnamigen Merry Melodies-Cartoon von 1931 und dient so als gelungene Meta-Referenz an die Ursprünge des Trickfilms.

Ein gelungenes Experiment

Who Framed Roger Rabbit begann als Experiment und endete als unerwarteter Erfolg - allerdings hing die Produktion des Films mehr als nur einmal am seidenen Faden, als Termine nur mit Not und Mühe eingehalten werden konnten und Disney drohte den Geldhahn zuzudrehen. Als die Studiochefs bemerkten, daß der Film sich als nicht ganz so brav herausstellte wie man angenommen hatte, fürchtete man um das Ansehen des Studios - ursprünglich sollte Who Framed Roger Rabbit unter dem Disney-Banner vermarktet werden, aber kurz vor der Premiere wurde entschieden den Film unter dem Decknamen der Tochterfirma Touchstone Pictures herauszubringen.

Trotz der Zeichentrick-Elemente ist Who Framed Roger Rabbit in erster Linie gar kein Kinderfilm, sondern mehr für die Erwachsene gedacht, die selbst in ihrer Kindheit Cartoons geschaut haben - wenn man die zahllosen Anspielungen und Hommagen an die längst vergangene goldene Trickfilm-Ära nicht erkennen kann, macht der Film nur halb soviel Spaß und größtenteils auch gar keinen Sinn. Mit dem richtigen Hintergrundwissen ist Who Framed Roger Rabbit aber viel mehr als nur eine technische Übung, sondern eine äußerst gelungene Cartoon- und Film-Noir-Hommage und ein erstklassiger Animations- und Effektfilm.

Nach seiner Kinopremiere im Sommer 1988 spielte Who Framed Roger Rabbit alleine in den USA mehr als das Doppelte seiner Produktionskosten wieder ein und wurde schnell zu einem internationalen Erfolg. Bei den Oscar-Verleihungen konnte der Film drei der sechs nominierten Auszeichnungen für Sound Effects Editing, Visual Effects und Film Editing gewinnen - und Animator Richard Williams bekam noch einen Special Achievement Award für seine besonderen Leistungen als Zeichentrick-Spezialist. Im Laufe der Jahre ist Who Framed Roger Rabbit zu einem besonderen Klassiker des Trickfilm-Genres geworden, der nicht nur durch seine besondere technische Umsetzung, sondern auch durch die gelungene Geschichte und die unterhaltsamen Schauspieler völlig einzigartig geblieben ist.

Die DVD

Who Framed Roger Rabbit wurde bereits 1999 in den USA als DVD veröffentlicht, die allerdings überhaupt keine Extras hatte und einen fürchterlichen, nicht-anamorphen Transfer verwendete, der wahrscheinlich von der ein Jahr zuvor veröffentlichten Laserdisc basierte. Erst vier Jahre später hatte sich Disney entschlossen, eine rundum erneuerte Special-Edition-DVD des Films zu produzieren, die diesem Klassiker wirklich gerecht wird.

Unter dem kurzlebigen Banner Vista Series erschien im März 2003 die neue DVD, die sowohl vom Inhalt als auch der Aufmachung nicht enttäuscht hat. Der neue Transfer ist den Umständen entsprechend hervorragend gelungen, die überarbeitete Tonspur in Dolby 5.1 und sogar DTS hört sich wunderbar an und das Bonusmaterial ist umwerfend. Den einzigen Fehler, den man dem 2-Disc-Set vorwerfen kann, ist daß auf einer DVD eine Widescreen- und auf der anderen eine Fullscreen-Fassung zu finden ist und die Extras nach "Enthusiast" und "Family Friendly" aufgeteilt wurden – und das, obwohl der Film eigentlich nicht so sehr fürs jüngere Publikum geeignet ist.

Bemerkenswert ist die DVD auch wegen der hervorragenden Verpackung – ein Digipack im Stil eines Notizbuchs, das äußerlich als auch innerlich ein richtiges Schmuckstück ist, das in jede DVD-Sammlung gehört. Leider kann man das nur von der amerikanischen Veröffentlichung sagen, denn Disney hat auf die deutsche DVD zwar die Widescreen-Fassung des Films gepackt, aber nur die "Family Friendly"-Extras von der Region 1-Disc übernommen und sogar den Audiokommentar eingespart. Daher ist nur die US-DVD die wirklich optimale Fassung des Films, wenn man nicht gerade auf die deutsche Synchronfassung angewiesen ist.

Cover


Cover


Cover


Cover


Cover


Cover


Cover


Cover

Bild

Oft wird behauptet, daß die Jahre an Who Framed Roger Rabbit nicht ganz spurlos vorbeigegangen sind, aber der inzwischen über zwanzig alte Film sieht den Umständen entsprechend auf dieser DVD ganz hervorragend aus – die kleinen Imperfektionen rühren hauptsächlich von der Integration der Zeichentrick-Elemente her, die ein mehrfaches Kopieren des Films notwendig machten und damit auch auf der besten Filmvorlage die Qualität etwas herabgesetzt hatten.

Who Framed Roger Rabbit wurde im Format 1.85:1 gedreht, das für die neue Special-Edition im Originalformat neu abgetastet wurde. Auf der zweiten DVD des Sets befindet sich jedoch noch eine Fullscreen-Version, die bis auf ein paar wenige Sequenzen komplett in Pan&Scan zu sein scheint und besonders von der Animation eine ganze Menge an den Seiten wegschneidet - deshalb sollte man diese Version am besten gleich ignorieren und nur die Widescreen-Version anschauen.

Die Filmvorlage ist weite Strecken über in einem hervorragenden Zustand, lediglich in sehr detailreichen Szenen mit Zeichentrick-Elementen treteten ab und zu minimale Verunreinigungen auf, die jedoch nicht sehr stark ins Auge fallen. Stärker fällt dann doch auf, daß diese Szenen eine deutlicher sichtbare Körnigkeit als der Rest des Films haben, was aber auch eine Auswirkung der komplizierten Animationstechnik ist. Die Körnigkeit wurde zum Glück überhaupt nicht mit einem Rauschfilter behandelt, so daß das Bild einen sehr knackigen und filmähnlichen Eindruck macht.

Die Schärfe ist dafür auf einem überraschend hohen Niveau, das man sonst bei Flat gedrehten Filmen nur selten zu sehen bekommt. Die Detailtreue ist enorm hoch, ohne daß dabei großartig digital nachgeholfen wurde - typische Auswirkungen eines Schärfefilters sind nämlich überhaupt nicht zu entdecken. Nur in ganz wenigen Szenen mit sehr viel Zeichentrick-Elemente wird das Bild kurzzeitig ein klein wenig unscharf. Genauso hervorragend sind die brillianten Farben, die hervorragend zur Geltung kommen und perfekt ausbalanciert wurden.

Der Bildstand ist zwar grundsätzlich stabil, aber das Bild wirkt manchmal etwas unruhig, weil durch die Zeichentrick-Integration ein leichtes Flackern entstanden ist, das leider nicht so ohne weiteres entfernt werden konnte. Abgesehen von diesen kleinen Problemen sieht die neue Abtastung aber absolut sensationell aus und schafft es erstmals, den Film in seinem vollen Glanz erstrahlen zu lassen - besser hätte man Who Framed Roger Rabbit gar nicht abtasten können.

Ton

1988 steckte der Digitale Kinosound noch in den Kinderschuhen, aber immerhin wurde Who Framed Roger Rabbit mit einer sehr kräftigen Dolby-SR-Abmischung ausgestattet, die das System schon ordentlich ausnutzte. Für die frühen Laserdiscs und die erste DVD wurde bereits daraus ein 5.1-Mix erstellt, der aber für die Special-Edition noch einmal komplett neu zusammengemischt wurde und auf dieser DVD auch als DTS-Tonspur dabei ist.

Ob es sich lohnt, eine so alte Tonspur als DTS abzumischen, ist natürlich Geschmackssache - mangels entsprechendem Verstärker kann ich mir nur die 5.1-Spur anhören, die zwar ihr Alter nicht wirklich verbergen kann, aber dennoch ordentlichen Biß hat. Who Framed Roger Rabbit hat kein richtiges Surroundfeuerwerk zu bieten und wurde auch nicht gewaltsam zu einem gemacht, so daß der natürliche Klang der Tonspur nicht durch künstlich eingefügte Effekte verschlechtert wird. Richtige Surroundeffekte gibt es nur wenige, aber wenn dann sind sie sehr gut platziert worden und deutlich heraushörbar. Der Löwenanteil des Surroundtons wird von Alan Silvestris Musik getragen, die ausführlichen Gebrauch von der vorderen und hinteren Soundstage macht und so den Raum ordentlich füllt ohne dabei auf den Rearkanälen Stille walten zu lassen.

Während der Klang der Musik sehr transparent und dynamisch ist, klingen Stimmen und Geräusche dagegen etwas flach und haben sowohl im Baß- und Höhenbereich leichte Defizite - besonders wenn die Cartoon-Charaktere losschreien, hört die Dialogspur sehr schrill an. Dennoch sind alle Dialoge aber deutlich hörbar und immer perfekt verständlich. Sollte man einen der Toons, die mit vielfältigen Sprachfehlern ausgestattet sind, doch einmal nicht verstehen, kann man auch die Untertitel zuschalten, die allerdings für Hörgeschädigte gedacht sind und auch jedes Geräusch transkribieren.

Bonusmaterial

Who Framed Roger Rabbit wird als 2-DVD-Set präsentiert, was aber ein wenig eine Mogelpackung ist, denn statt den Film auf eine Disc und die Extras auf die zweite Disc zu packen, wurden die Extras um die Widescreen- und Fullscreen-Fassungen herum verteilt. Das mag ärgerlich sein, hat aber zum Glück dem Aussehen des Films nicht geschadet und die tolle Aufmachung macht es dann doch wieder wett. Das Menüdesign ist hervorragend gelungen - in einem Mix aus 3D-Animation und Filmszenen wird man vom Taxi Benny durch Toontown gefahren, an deren verschiedenen Orten die Extras des Films untergebracht worden sind.

Disc 1 enthält neben der Fullscreen-Version des Films, die man am besten erst gar nicht anschauen sollte, die “Family Friendly”-Extras – diese sind allerdings auch für Erwachsene recht interessant.

Acme Warehouse – hier sind praktisch alle Extras der ersten DVD untergebracht:

Die Roger Rabbit Cartoons wurden in den Jahren nach dem großen Erfolg des Films produziert und sind hier erstmals alle zusammen in hervorragender Qualität, anamorphem Originalformat und sehr aktiven 5.1-Tonspuren zu sehen:
Tummy Trouble (7:45, von 1989)
Rollercoaster Rabbit (7:50, von 1990)
Trail Mix-Up (8:51, von 1993)

Who Made Roger Rabbit (10:57) ist ein kurzes Werbe-Featurette mit Roger's Stimme Charles Fleischer, das 1988 fürs Fernsehen produziert wurde und wenig Inhalt hat, aber dafür eine lustige Vorstellung von Fleischer ist, die für sich auch wieder ganz sehenswert ist.

Das Trouble in Toontown Game ist zwar nett gemacht, aber allerhöchstens für Kinder im Vorschulalter geeignet. Im Ink & Paint Club befinden sich Sneak Peeks von Schoolhouse Rock und Ultimate X, während das Maroon Cartoon Studio nur eine Hinweistafel auf die Extras der zweiten DVD enthält. In Valiants Office kann man die Tonspur-Optionen und die Untertitel für den Hauptfilm einstellen und auch einen THX-Optimizer abrufen.

Als leicht zu findendes Easteregg wurde der Trailer (3:06) auf der ersten Disc untergebracht, der leider nur in extrem schlechter VHS-Qualität zu sehen ist.

Disc 2 enthält neben der besseren Widescreen-Fassung alle weiteren Extras, die vor allem Filmkenner interessieren dürften, aber auch für den Durchschnittszuschauer geeignet sind.

Der Audiokommentar von Robert Zemeckis, Frank Marshall, Jeffrey Price, Peter Seaman, Steve Starkey und Ken Ralston ist eine sehr unterhaltsame Angelegenheit - die Filmemacher erinnern sich mit viel Humor und guter Laune an eine Produktion, die alles andere als problemlos war. Es wird hauptsächlich auf die technische Natur des Films eingegangen, wobei es die Mitwirkenden schaffen, die Technik des Films auf eine ganz allgemein verständliche Weise zu erklären. Dabei kommt aber auch der menschliche Aspekt nicht zu kurz, denn schließlich waren auch die Effekte des Films schwere Handarbeit und auch die Schauspieler hatten jede Menge zu leisten. Der Umgangston des Kommentars ist sehr locker und freundlich, allerdings stört es doch ziemlich, wenn sich jedesmal ein Sprecher mit seinem Namen identifiziert.

Toontown Confidential kommt als Zeitung auf den Menübildschirm, ist aber eine der immer beliebter werdenden Trivia Tracks, die in Form von Untertitelspuren Kommentare, Anekdoten und anderes im laufenden Film anzeigen. Hier bekommt man eine Menge interessante Sachen geboten - vieles davon wird zwar auch in der Dokumentation und im Kommentar angesprochen, aber einiges ist auch nur hier zu lesen. In Verbindung mit dem Audiokommentar macht diese Trivia-Track eine Menge Spaß.

Die Deleted Scene wird von Robert Zemeckis, Ken Ralston und Simon Wells eingeleitet und man bekommt auch eine Rohversion gezeigt, bevor man sich die Pig Head Sequence (3:53) in vollendeter Form anschauen kann – leider nur in Fullframe, aber dafür in erstaunlich guter Bildqualität, die man auch so direkt in den Film hätte integrieren können.

Die Valiant Files sind eine clevere Kombination aus DVD-Spiel und Bildergalerien – man kann sich in Valiants Büro umschauen und dort jede Menge Fotos, Konzeptzeichnungen und anderes finden. Für ungeduldige wurde aber auch ein Cheat Sheet vorbereitet, mit dem man direkt auf die Bereiche Charakter Development, The Art of Roger Rabbit, Production, Promotional und Theme Parks zugreifen kann.

Before & After (3:08) enthält eine kleine Auswahl von Szenen, die als Splitscreen mit fertiger Version und ohne Animation und Effekte zu sehen sind. Auch in Toon Stand-Ins (3:15) bekommt man die Arbeit am Set mit Dummy-Figuren zu sehen, diese zweite Zusammenstellung hat einen Kommentar von Ken Ralston, Steve Starkey, Robert Zemeckis und Richard Williams. So bekommt man einen sehr guten Eindruck davon, wie der Film einmal ohne die Zeichentrick-Elemente ausgesehen hat.

On Set – Benny The Cab (4:51) ist ein kurzer Schnipsel von B-Roll-Aufnahmen vom Set der Autoverfolgungsjagt und zeigt, mit welchen primitiven Mitteln Bob Hoskins durch die Gegend gekarrt wurde – aber es hat immerhin funktioniert!

Behind the Ears (36:36) ist eine sehr ausführliche neue Dokumentation über die Produktion von Who Framed Roger Rabbit mit neuen Interviews von Robert Zemeckis, Don Hahn, Richard Williams, Arthur Schmidt, Steve Starkey, Bob Hoskins und Charles Fleischer. Die Doku ist eine hervorragende Ergänzung zum Audiokommentar – in beiden zusammen erfährt man praktisch alles Interessante, was man über den Film wissen muß auf eine sehr unterhaltsame, aber durchaus niveauvolle Weise. Während Robert Zemeckis in seinen Interviews und auch im Audiokommentar etwas reserviert und kühl wirkt, sind die anderen Filmemacher und Schauspieler um so lebendiger und mitteilungsfreudiger – und vor allen Dingen in ihrem Rückblick auf Roger Rabbit wirklich sehr ehrlich.















GOWEBCounter by INLINE GOWEBCounter by INLINE