Allgemeines
In
ihrem dritten Jahr ihrer Zeichentrick-Existenz wurden die Simpsons so,
wie wie sie heute kennen. Die Geschichten waren besser geschrieben, die
Stimmen bekamen ihren letzten Schliff und die Serie kam richtig in Schwung.
Die Kunst, innerhalb von 22 Minuten eine oft komplexe Geschichte zu erzählen,
befand sich auf dem Weg der Perfektionierung.
Die Stories drehen sich in der dritten Staffel erstmals hauptsächlich
um die Charaktere
und rücken auch die zuvor weniger beachteten Figuren in den Vordergrund.
Neben Homer, Marge, Bart und Lisa haben Ned Flanders, Krusty, Moe, Mr.
Burns, Otto, Mrs. Krabapple, Milhouse und natürlich auch wieder Sideshow
Bob ihre eigenen Episoden bekommen. Die Geschichten sind überraschend
vielschichtig und oft äußerst verspielt - Parodien auf Filme
und anderes sind nicht selten und die Auftritte von Gaststars aus der
realen Welt erreichen mit Michael Jackson, Aerosmith, Sting, Spinal Tap
und anderen eine ganz neue Dimension. Die Simpsons sind erwachsen geworden!
Die
Veröffentlichung der Simpsons auf DVD ist eine Sache, für die
man sehr viel Geduld braucht. 20th Century Fox hat es seit 2001 bisher
nur geschafft, eine Staffel pro Jahr herauszubringen - bei aktuell 15
Staffeln werden die DVDs die neu produzierten Folgen wohl nur einholen
können, wenn die Veröffentlichung beschleunigt oder die Serie
eingestellt wird.
Wie dem auch sei, in diesem Jahr kam die DVD der dritten Staffel endlich
heraus, erschien in den USA aber satte zwei Monate früher als in
Deutschland. Aufgrund des günstigen Preises habe ich deshalb das
erste Mal zu den amerikanischen Simpsons-DVDs gegriffen, die in Aufmachung
und Inhalt mit der später erschienenen deutschen Box praktisch identisch
ist, aber natürlich keine deutschen Tonspuren oder Untertitel hat.
Wer die aber nicht braucht und einen Codefree-Player besitzt, kann zwischen
der amerikanischen und deutschen Ausgabe frei wählen.
Die
dritte Simpsons-Box ist natürlich genauso hervorragend gelungen wie
ihre Vorgänger; zwar ist die Bildqualität immer noch nicht ganz
optimal, aber der glasklare Ton und die unterhaltsamen Extras machen das
wieder gut. Die Verpackung ist auch wieder sehr originell, der Schuber
des Groening-gestylten Digipacks hat diesmal nicht nur auf der Vorderseite
ein "TV-Fenster", sondern auch auf der Rückseite. Wieder
ist eine schriftliche Mitteilung von Matt Groening dabei und ein Booklet
mit einem ausführlichen Episodenführer dabei.
|
|
Bild
Im
Gegensatz zur Schwesterserie Futurama wurden die Simpsons noch bis vor
kurzem ohne digitale Hilfsmittel animiert - besonders bei den frühen
Seasons waren Zeichentisch und 35mm-Film fast die einzigen Hilfsmittel.
Nur die Postproduktion wurde auf Video-Basis durchgeführt, so dass
die fertigen Folgen nur als MAZ-Master existieren. Auch die dritte Simpsons-DVD-Box
basiert wieder auf diesen Video-Mastern und ist deshalb von der digitalen
Futurama-Bildqualität weit entfernt, allerdings hat sich das Bild
gegenüber der vorherigen Staffel wieder etwas verbessert.
Wie schon bei den vorherigen DVDs ist das Bild durch die etwas unsaubere
Animation nicht ganz ruhig, aber die Nachbearbeitung der MAZ-Bänder
ist recht gut gelungen. Das typische Composite-Kräuseln an den Kanten
ist nur noch ganz selten zu sehen, und die Schärfe ist zufriedenstellend
und wird meist nur durch die Details der Animation begrenzt. Die Filmvorlagen
sind allerdings nicht ganz sauber gewesen, ab und zu huschen ein paar
Fussel oder andere Dropouts durchs Bild. Richtig begeistern können
hier nur die knackigen Farben, die ohne Rauschen wiedergegeben werden,
aber manchmal an scharfen Kanten etwas verschmiert wirken.
Wer sich wie ich die einige Monate früher erschienene amerikanische
Ausgabe der dritten Simpsons-DVD-Box gekauft hat um den nie ganz geklärten
Masteringfehler der ersten und zweiten deutschen Boxen aus dem Weg zu
gehen, wird enttäuscht sein: das seltsame, periodisch auftretende
Zeilenflimmern ist sogar in der NTSC-Version hier manchmal in einigen
Folgen zu sehen. Vermutlich sind Probleme mit den Sendebändern die
Ursache dieses Phänomens, das sich sicher nicht so leicht korrigieren
läßt, aber auf Bildröhren eigentlich auch kaum auffällt.
|
Ton
1991 war Dolby Surround noch etwas völlig unbekanntes
in der TV-Landschaft - die Simpsons mußten sich mit schnödem
Stereo begnügen.
Das hat Fox aber für die DVD-Ausgaben unserer gelben Freunde nicht
ausgereicht und hat ihnen wie bei den ersten beiden DVD-Boxen einen ordentlichen
5.1-Remix gegönnt, der zwar seinen Ursprung nicht ganz verbergen
kann, aber wirklich sein bestes tut.
Am meisten profitiert von diesem Remix natürlich die Musik, die sehr
raumfüllend und kräftig abgemischt wurde. Aber auch die Geräusche
und Dialoge beschränken sich keinesfalls nur auf den Center-Lautsprecher,
und die Surroundkanäle werden öfter von Effekten genutzt, als
man erwartet. Dynamik und Frequenzumfang sind natürlich nicht auf
Kinofilm-Niveau, aber auch nicht deutlich eingeschränkt. Für
eine TV-Zeichentrickserie hat man es hier mit einer recht beeindruckenden
Soundtrack zu tun, die nur wenig Wünsche offen läßt.
|
Menü & Specials
Die
überraschenderweise anamorphen Menüs der dritten Simpsons-DVD-Box
beginnen sehr beeindruckend, aber sobald man das Hauptmenü verläßt,
macht sich nach den witzigen und ständig wechselnden Übergängen
Enttäuschung breit: die Untermenüs bestehen bis auf die Sprach-
und Untertitel-Einstellungen lediglich aus schwarzen Hintergründen,
die den starken Eindruck machen als ob Fox mit dem Menüdesign nicht
ganz fertig geworden ist. Das Bonusmaterial macht zum Glück diesen
Eindruck nicht und bietet zwar in dieser Season immer noch keine groß
angelegten Dokumentationen, aber die wie immer hervorragenden Kommentarspuren
und die anderen Extras setzen den Trend der vorherigen DVD-Boxen unbestreitbar
fort.
Die Audiokommentare sind wieder eins der stärksten
Kaufargumente dieser DVDs, denn sie verdoppeln den Unterhaltungswert jeder
Episode ungemein. Wie immer sind hier Simpsons-Schöpfer Matt Groening
und seine Kollegen James L. Brooks, Al Jean und Mike Reiss dabei, immer
begleitet von den Regisseuren und Autoren der jeweiligen Folge. Das sind
aber noch nicht alle,
eine große Überraschung gibt es noch: obwohl die Simpsons-Macher
noch vor nicht allzu langer Zeit beteuert hatten, keine der Sprecher mit
auf dem Kommentarspuren dabei haben zu wollen, geben sich hier erstmals
Dan Castellaneta, Julie Kavner, Nancy Cartwright und Yeardley Smith die
Ehre und folgen damit ihren Kollegen von Futurama, die schon von Anfang
an mit auf den DVD-Kommentaren zu hören waren. Die Anwesenheit der
Sprecher machen die Kommentarspuren zu einem noch größeren
Vergnügen als in den vorherigen zwei Staffeln, aber auch bei den
Episoden wo keiner von ihnen dabei ist, sind trotzdem immer noch sehr
interessant. Wie immer geht hier ein bißchen Spaß vor Ordnung,
denn alle Beteiligten haben hörbar ein ungemeines Vergnügen
daran sich an die zwölf Jahre alten Folgen zu erinnern und steuern
so manche faszinierende Anekdote über Inhalt und Entstehung bei.
Die restlichen Extras sind wie immer über die vier einzelnen DVDs
verteilt und sind stellenweise sehr schwer erreichbar, da viele Sachen
nur über die Special-Features-Menüs der einzelnen Folgen erreichbar
sind.
Disk 1
Hier sind fünf je zweiminütige Butterfinger Commercials
zu sehen, praktisch eine Fortsetzung von der vorherigen DVD-Box, wo auch
schon eine Reihe dieser witzigen Werbespots zu sehen waren. Aber was sind
Butterfinger? Das Zeug gibts hier in Deutschland ja nicht!
Außerdem
gibt es auf dieser Disc Matt Groening's Storyboards zur
Folge Homer Defined in Form einer Bildergalerie, die man sich
entweder manuell oder selbstablaufend mit dem Ton der Episode im Hintergrund
anschauen kann - genauso sind auch alle anderen Storyboard-Galerien auf
diesen DVDs aufgebaut. Ein bisher noch nicht in den Simpsons-DVDs angewandtes
Feature gibt es bei der Folge Like Father, Like Clown: die Scene
Specific Sketches werden durch ein Icon, das in der laufenden
Folge eingeblendet wird, signalisiert - das berühmte "White
Rabbit"-Feature läßt grüßen. Ultimativ ist
das etwas langwierig, am besten wäre es gewesen wenn diese Zeichnungen
auch in einer separaten Bildergalerie einzeln aufrufbar wären.
Disk 2
Nur ein nicht-episoden-spezifisches Extra ist auf der zweiten Disc untergebracht
worden: ein kurzer
Ausschnitt aus einer Nachrichtensendung über die Macy's Thanksgiving
Parade 1991 (1:26), auf der ein riesiger Ballon von Bart Simpson
zu sehen war. Die Bedeutung dieses Clips scheint etwas unklar, aber anscheinend
war es Matt Groening und Co wohl wichtig, dieses Ereignis hier festzuhalten.
Zur Folge Treehouse of Horror II gibt es eine ganze Reihe von
Extras: ein kurzer Multi-Language-Clip in Englisch, Spanisch,
Französisch, Tschechisch und Polnisch, eine große Sammlung
von Storyboards, die Scene Specific Sketches
und letztendlich eine Bildergalerie mit über 240
Konzeptzeichnungen, die aber leider viel zu klein geraten und kaum noch
erkennbar sind. Außerdem sind die Folgen Flaming Moe's,
Burns verkaufen der Kraftwerk und I Married Marge auch
mit den Scene Specific Sketches ausgestattet.
Disk 3
Diese Disc bietet nur Extras zu zwei Episoden: Radio Bart ist
mit Storyboards und den Scene Specific Sketches
ausgestattet, Homer Alone nur mit letzterem.
Disk 4
Die Jukebox enthält leider keine isolierten Musikstücke,
sondern lediglich 13 Clips mit den verschiedenen Songs der dritten Staffel.
Es ist ganz nett, die alle zusammen abrufen zu können, aber
letztendlich ist es doch nur eine Wiederholung der Folgen selbst.
Dog of Death ist mit den Scene-Specific Sketches
ausgestattet, Black Widow mit den Sketches und
einer Sammlung von Storyboards. Die Folge Colonel
Homer hat aber noch mehr zu bieten außer den Sketches:
die Pop-up-Simpsons sind eine Untertitelspur mit Popup-Fenstern,
die einige interessante Fakten über die Folge enthalten, und die
Promo with Unseen Footage ist zwar nur dreißig
Sekunden lang, enthält aber ein wenig geschnittenes Material.
|

|