Allgemeines
Als sich 1986 nach vier Kinofilmen ein ernormer Erfolg des
Star-Trek-Franchises abzeichnete, entschied Schöpfer Gene Roddenberry,
daß es Zeit sei sich auch wieder auf den Fernsehbildschirm zu konzentrieren.
Nach der Absetzung der Original-Serie 1969 war Star Trek nur noch als Wiederholung
im TV zu sehen, und ein Versuch mitte der siebziger Jahre eine neue Serie
namens Star Trek: Phase II zu produzieren wurde zugunsten des ersten
Kinofilms verworfen um Star Wars Konkurrenz machen zu können.
Statt Kirk, Spock, Bones, Chekov und Sulu wieder auf die Mattscheibe zu
verbannen und vielleicht Phase II wieder aufzugreifen, machten Roddenberry
und sein Team den gewagten Schritt eine völlig neue Crew zu schaffen
und die Zeit um fast ein ganzes Jahrhundert nach vorne zu drehen.
Die Hauptfigur sollte diesmal nicht ein kerniger Amerikaner ("I'm from
Iowa, and I work in outer space!") sein, sondern ein Franzose. Etwas
komisch muß es schon gewesen sein: ein französischer Captain,
der in einer amerikanischen TV-Serie von einem britischen Schauspieler verkörpert
wird. Der rennomierte englische Schauspieler Patrick Stewart, der bis dahin
hauptsächlich für seine Bühnenarbeit bekannt war, konnte
für diese Rolle gewonnen werden und verlieh der Produktion etwas ganz
besonderes. Die anderen Charaktere wurden mit damals relativ unbekannten
Schauspielern besetzt, von denen einige in der ersten Season ihre Talente
noch überhaupt nicht ausspielen konnten. Lediglich Patrick Stewart
und Brent Spiner, der den Androiden Data spielt, zeigen schon in diesen
frühen Folgen einiges an Potential. Jonathan Frakes als Riker, der
erste Offizier, Marina Sirtis als Counsellor Troi, Gates McFadden als Dr.
Crusher, LeVar Burton als Gerodie LaForge, Wil Wheaton als Wesley Crusher
und Denise Crosby als Tasha Yar gelang es aber trotzdem ihre Charaktere
erfolgreich bekannt zu machen, auch wenn die Schauspielerischen Leistungen
allerhöchstens durchschnittlich waren. Nur Denise Crosby stieg noch
vor Ende der ersten Season aus, machte damit aber erst die spätere
Crewkonstellation möglich.
Die Drehbücher der ersten Staffel waren noch sehr holperig, was nicht
zuletzt daran lag, daß Gene Roddenberry selbst viele Bücher nach
seinen persönlichen Vorlieben umschrieb und damit viele gute Autoren
vergraulte. Neben einigen schlechteren Folgen, die auch mit der alten Crew
hätten stattfinden können, enthält die erste Staffel aber
eine Menge bemerkenswerter Episoden, die eine solide Grundlage für
spätere Geschichten liefern.
Eine Sensation waren damals für eine Fernsehserie die Spezialeffekte,
Sets und Modelle. Während besonders die Effekte sehr gealtert aussehen,
kann sich besonders das Make-Up immer noch gut behaupten. Obwohl Star Trek
immer für die Aliens mit der knorpeligen Stirn bekannt ist, wurden
schon in der ersten Staffel ein paar bemerkenswerte Wesen geschaffen.
Ein neues Jahrhundert, ein neues Schiff und eine neue Crew - Star Trek
The Next Generation lief im September 1987 im US-Fernsehen an und wurde
von Fans und zufälligen Zuschauern gleichermaßen begeistert aufgenommen.
Sieben Staffeln und drei (bald vier!) Kinofilme entstanden, außerdem
noch zwei weitere Startrek-Serien mit auch jeweils sieben Staffeln. Man
kann sagen, daß das Experiment von 1987, Startrek wieder in der Fernsehlandschaft
anzusiedeln, vollends gelungen ist.
Vierzehn Jahre nach der Erstausstrahlung der ersten Season von TNG (The
Next Generation), vielen Wiederholungen und
unzähligen Videokassetten bringt Paramount die Serie nun auch auf DVD
heraus. In Europa ist dies die erste Startrek-Serie auf DVD, während
das Original schon in den USA veröffentlich wurde - als einzelne DVDs
mit je zwei Folgen pro Disc. Diesen Fehler hat Paramount nicht noch einmal
gemacht und TNG weltweit zum fast gleichen Terminnur als Boxset herausgebracht.
Als erstes fällt natürlich die ungewöhnliche Verpackung ins
Auge: während die US-DVDs in einer Pappbox untergebracht sind, bekommen
die Europäer etwas ganz besonderes: eine robuste Plastikbox im Startrek-Design,
in der ein Falt-Digipack untergebracht ist. Als die ersten Bilder der Box
im Internet auftauchten, haben viele das noch für eine Fälschung
gehalten, aber Paramount hat tatsächlich alle Versprechen gehalten
und eine Verpackung geliefert, an deren Design es absolut nichts zu meckern
gibt. Lediglich die Pappe des Digipacks hätte etwas dicker sein können,
dafür entschädigt aber das hervorragende Design, deren Hintergrund
eigentlich nur aus einer detailreichen Rißzeichnung der Enterprise
besteht.
Auf den sieben DVDs sind alle 26 Folgen der ersten Staffel inklusive Bonusmaterial
untergebracht - ungeschnitten, sollte man noch hinzufügen - denn einige
Episoden waren bisher in Deutschland nur in leicht gekürzten Fassungen
zu sehen und wurden extra für diese DVDs an den entsprechenden Stellen
nachsynchronisiert. Auch die Pilotfolge ist hier nicht als Zweiteiler, sondern
in einem Stück als nahtloser "Spielfilm" vorhanden. Paramount
hat das Beste aus Bild und Ton herausgeholt und überrascht sogar mit
einigem gut produziertem Bonusmaterial. Die perfekte Aufmachung und die
generell gute Aufbereitung machen diese Box zu einem Muß für
jeden Fan und könnten auch für andere sehr interessant sein. Der
Preis von knapp &euro100 ist für mehr als 18 Stunden Unterhaltung beinahe
ein Klacks, wenn man die Preise der entsprechenden Videokassetten bedenkt.
Eine beachtliche Leistung von Paramount, von der man dieses Jahr noch mehr
zu sehen bekommen wird: bis Dezember werden alle sieben Seasons von TNG
auf DVD erscheinen.
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Bild
Die erste TNG-Season wurde zwar auf herkömmlichem 35mm-Filmmaterial
gedreht, aber die Postproduktion inklusive dem Hinzufügen der Special-Effects
wurde komplett videobasiert erledigt. 1987 war das ein absolutes Novum und
wurde hauptsächlich zur Senkung der Produktionskosten so gemacht. Durch
diese Methode sind die Master natürlich die fertigen Sendebänder
- ob noch 35mm-Material existiert, ist fraglich und wenn könnte es
wegen der dichten Einbindung der Spezialeffekte nur mit großem Aufwand
weiterverwendet werden. Auf welchem MAZ-Format TNG damals geschnitten wurde,
ist nirgendwo genauer erwähnt worden, aber von den ersten zwei oder
drei Staffeln soll es nur noch Composite-Masterbänder geben, die als
Grundlage für die DVDs dienen müssen.
Unter diesen schwierigen Umständen hat Paramount jedoch eine ausgezeichnete
Arbeit geleistet. Zwar kann die Qualität dieser DVDs nicht mit neuen
Kinofilmen konkurrieren, aber sehen sensationell besser aus als jede vorherige
TV-Ausstrahlung, VHS-Kassette oder Laserdisc. Von einem Transfer im üblichen
Sinn kann man hier nicht sprechen, hier zählt lediglich die Nachbearbeitung
der MAZ-Bänder, die erstaunlich gut gelungen ist.
Ab und zu sind ein paar Fussel oder Kratzer vom Filmmaster zu sehen, die
aber so selten sind daß sie kaum auffallen. Farbrauschen und ähnliche
unangenehme Effekte wurden mit Hilfe von Filtern erfolgreich beseitigt,
so daß das Bild einen soliden und ruhigen Eindruck macht. Lediglich
um die Schriften der Vor- und Abspänne sieht man das bekannte Chroma-Gekräusel,
was bei Composite-Material nicht verhinderbar ist - genausowenig wie die
teils mangelhafte Detailzeichnung, die aber in Nahaufnahmen nicht ganz so
stark auffällt. Generell sehen Einstellungen, in denen Spezialeffekte
zu sehen sind, immer etwas weicher aus als der Rest - auch ein nicht mehr
rückgängig machbarer Nebeneffekt der damaligen Technik. Im Pilotfilm
sehen die Farben manchmal etwas merkwürdig aus, was aber in den nächsten
Folgen rapide besser wird. Die unvermeidliche Interpolation von NTSC nach
PAL ist gut gelungen und hat bis auf ein ganz selten auftauchendes Zeilenflimmern
nichts Negatives an sich. Das Bild wurde nicht 1:1 normgewandelt, sondern
die 24 Bilder pro Sekunde auf 25 beschleunigt, damit kein unangenehmes Ruckeln
entsteht. Die Kompression macht sich trotz der relativ niedrigen Bitrate
nicht bemerkbar. Da es sich um Videomaterial handelt, ist das Bild komplett
interlaced, sieht aber korrekt wiedergegeben trotzdem fantastisch aus.
Zuletzt bleibt noch zu sagen, daß das Bildformat mit 1.33:1 natürlich
korrekt ist - gedreht wurde in 4:3, und daraus läßt sich nun
mal keine 16:9-Fassung erstellen ohne eine Menge vom Bild abzuschneiden.
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Ton
Auf einem völlig anderen Level bewegt sich die Qualität
der englischen Tonspur, der Paramount einen völlig neuen 5.1-Remix
spendiert hat. Leider beschränkt sich das nur auf den Originalton,
denn die deutschen, französischen, italienischen und spanischen Versionen
wurden nur in Mono synchronisiert. Ein Mehrkanal-Upmix war nicht möglich,
weil keine separaten Dialogspuren mehr existieren
Die englische Tonspur, codiert mit der optimalen DD-Bitrate von 448 kbit/s,
wartet dagegen mit einem Kinoverdächtigen Surroundton auf. Schon die
ursprüngliche Dolby-Surround-Tonspur hatte eine erstaunliche Räumlichkeit,
aber nicht die für eine TV-Serien erstaunlich gute Dynamik und den
hohen Frequenzgang der neuen 5.1-Abmischung. Die Musik breitet sich über
die vordere Soundstage aus und nimmt auch einen Teil der Surroundkanäle
in Anspruch, die natürlich auch oft und gerne von Soundeffekten verwendet
werden. Dabei hört man nicht nur die Enterprise, wie sie rechts oder
links an einem vorbeifliegt, sondern in praktisch allen leisen Dialogszenen
die Hintergrundgeräusche des Raumschiffs - eine Klangkulisse, die man
nach ein paar Folgen für selbstverständlich hält und erst
bemerkt, wenn man sie mal nicht hört. Die Stimmen sind gut verständlich,
aber hören sich manchmal etwas harsch und dünn an, da in der ersten
Staffel noch viel Ton direkt vom Set verwendet und kaum etwas im TonsStudio
geloopt wurde. Auch daran kann man sich gewöhnen und es hat zudem den
Vorteil, daß die Stimmen alle sehr natürlich klingen.
Wegen der NTSC-PAL-Konvertierung laufen alle Tonspuren 4% zu schnell, was
die meisten Leute irritieren dürfte da die Videokassetten der ersten
Season alle noch ohne Geschwindigkeitsanstieg normgewandelt wurden. Die
hier angewendete Methode hat zwar den Nebeneffekt des PAL-Speedups, aber
dafür eine enorm bessere Bildqualität.
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Menü & Specials
Für das Menüdesign der TNG-DVDs gab es eigentlich
nur eine einzige Möglichkeit: es mußte einfach die Computeroberfläche
der Enterprise nachgebaut werden, und das ist auch genau das was Paramount
zur Freude aller Fans hier gemacht hat. Die LCARS-Oberfläche wurde
clever für die Menüs der sieben DVDs zweckentfremdet und bietet
trotz der simplen Bedienung einiges zum Anschauen.
Das Bonusmaterial ist auf den ersten Blick etwas spärlich gesät,
aber bei näherer Betrachtung entpuppt sich das vorhandene als äußerst
informativ. Ursprünglich waren auch Kommentarspuren für ausgewählte
Episoden angekündigt, aber dies scheint irgendwo im Sand verlaufen
zu sein - möglicherweise kommt das noch in späteren Seasons, wenn
die Schauspieler bei einigen Folgen Regie geführt haben. Insider mögen
auch das Fehlen von jeglichen Outtakes beklagen, die oft auf Conventions
zu sehen waren. Aber mal ehrlich, würde man selbst als Schauspieler
unbedingt seine Fehler von vor über zehn Jahren auf eine DVD packen
wollen? Ich denke ehr nicht, deshalb kann man das hier durchaus verschmerzen.
Das gesamte Bonusmaterial befindet sich auf der siebten DVD unter dem Menüpunkt
Mission Logs und umfaßt vier einzelne Dokumentationen, die
zusammen 65 Minuten lang sind. Das sieht nicht nach besonders viel aus,
aber man muß bedenken, daß Paramount für diese exklusiv
für die DVDs hergestellten Featurettes nur eine begrenzte Auswahl an
Material hatte und das ja auch alles auf sieben Staffeln verteilt werden
muß. Die Dokumentationen heben sich über das Werbe-Allerlei positiv
ab und verzichten auf Off-Kommentare und sprechen hervorragend für
sich selbst. Hier hat Paramount exzellente Arbeit geleistet, mit der man
sehr zufrieden sein kann.
The Beginning (18 Min.) dreht sich um die Entstehung
der Serie und besteht aus neuen und alten Interviews mit allen Schauspielern
und Gene Roddenberry, Aufnahmen von den Dreharbeiten und auch von den Vorbereitungen
der Special-Effects von ILM.
Selected Crew Analysis (15 Min) geht mehr oder weniger im
Detail auf jeden der Hauptcharaktere und ihre Entwicklung im Laufe der Staffel
ein. Die Schauspieler erinnern sich an ihre Vorstellungsgespräche und
wie sie ihre Rollen gestaltet haben - Patrick Stewart, Brent Spiner und
Marina Sirtis haben dabei am meisten zu erzählen, lassen aber auch
die anderen Schauspieler nicht völlig am Rande stehen.
The Making of a Legend (15 Min) deckt den Bereich des Produktionsdesign
ab - von der Gestaltung der Sets über die Maske bis zu den Modellbauern
hin. In dieser knappen Viertelstunde ist eine Menge Information untergebracht,
bei der sogar für die größten Fans noch etwas neues dabeisein
dürfte.
Memorable Missions (17 Min.) läßt die Schauspieler
und Crewmitglieder über ihre Lieblingsszenen erzählen - inklusive
Armin "Quark" Shimerman in voller Maske auf dem Set von DS9, der
sich an seinen ersten Auftritt als Ferengi in The Last Outpost erinnert.
Während die anderen Featurettes relativ trocken und ernst sind, kommt
hier die humorvollere, leichtere Seite von Star Trek durch.
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