Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring
Cover

00.00.2002

Titel Lord of the Rings - The Fellowship of the Ring
(Der Herr der Ringe - Die Gefährten)
Studio NewLine Cinema (2001)
Hersteller NewLine Home Video / Warner Home Video (2002)
DVD-Typ 9 (7,12 GB) Bitrate ø 5,51 max. 9,0
Laufzeit 171 Minuten Kapitel 40
Regionalcode 2 (Deutschland) Case Amaray Doppel
Fernsehnorm PAL Mastering WAMO
Bildformat 2.35:1 (Cover)
2.40:1 (wirklich)
16:9 yes
Tonspuren Dolby Digital 5.1 Surround Englisch, Deutsch 2.0 Surround Deutsch
Untertitel Englisch, Deutsch
Freigabe FSK 12
Extras

Drei ausführliche Dokumentationen über die Geheimnisse der Dreharbeiten:
• Welcome to Middle-earth
• Quest for the Ring
• A Passage to Middle-earth
• Exklusive zehnminütige Vorschau hinter die Kulissen von "Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme"
• Original-Kinotrailer und TV-Spots
• Musikvideo "May it Be" von Enya
• Ankündigung des Electronic Arts Videospiels "Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme"
• Eine ausführliche Vorstellung der "Special Extended DVD Edition" von "Der Herr der Ringe: Die Gefährten"
• Zahlreiche weitere Specials, die für lordoftherings.net entstanden, sie stellen Land und Kultur von Mittelerde vor und enthalten Interviews mit den Hauptdarstellern

Allgemeines

Normalerweise beginne ich meine DVD-Kritiken mit einer Übersicht und einer Kurzkritik über den jeweiligen Film, aber bei Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring werde ich von dieser Gewohnheit aus einem ganz bestimmten Grund Abstand nehmen. Ich bin als absoluter Tolkien-Neuling völlig unbedarft, aber mit sehr hohen Erwartungen herangegangen und sehr enttäuscht worden. Da mir unter diesen Umständen keine wirklich objektive Filmrezension möglich ist, werde ich mich auf eine reine DVD-Kritik beschränken.

Als im Frühjahr 2000 Kevin Smith's Dogma als DVD erschien, wurde gleichzeitig auch angekündigt, daß es auf kurz oder lang eine zweite, besser ausgestattete DVD geben wird. Die hat dann noch gut anderthalb Jahre auf sich warten lassen - bei Lord of the Rings ist die Situation ähnlich, aber mit einen Unterschied: der Veröffentlichungsplan ist von vorneherein bis ins kleinste Detail bekannt und die Termine sind weltweit fast gleich.
Ursprünglich sollte die gesamte Lord of the Rings-Trilogie in Deutschland eigentlich von Kinowelt verliehen und auf DVD herausgebracht werden, aber nach dem zerbrochenen Deal mit NewLine hat Warner diese Aufgabe übernommen - ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Kinowelt hätte sich jedenfalls mit so einem Kassenschlager sanieren können - aber ob die DVDs von Lord of the Rings so gut wie die 1:1-Umsetzungen von Warner geworden wären, bin ich mir nicht so sicher.

Diese im August 2002 erschienene 2-DVD-Version enthält die dreistündige Kinofassung des Films und ist eigentlich nur eine Vorschau auf die im November erscheinende 4-DVD-Version, die noch eine halbe Stunde länger sein wird und mehr Bonusmaterial enthalten wird. In dieser Disziplin enttäuscht diese DVD auch etwas, denn eigentlich sollte die Kinofassung völlig ohne Extras erscheinen und dann wurde alle möglichen Making-Ofs und ähnliches Material aus der Marketing-Kampagne zusammengesucht und auf eine zweite DVD gepackt.

Zuviel erwarten sollte man also von dieser DVD also nicht. Wenn einem Lord of the Rings im Kino gefallen hat, ist es eine günstige Gelegenheit die Zeit bis zur "richtigen" Veröffentlichung im November zu überbrücken. Es ist eine ganz nette DVD, und wenn mir der Film besser gefallen würde hätte ich vielleicht sogar mehr Spaß daran gehabt.

Bild

Ja, genau - nur vier von fünf Punkten - eigentlich undenkbar bei einem niegelnagelneuen Film, der gerade einmal ein Dreivierteljahr alt ist. Leider haben NewLine und Warner aber bei Lord of the Rings keine wirklich überzeugende Arbeit geleistet. Es fängt bei der Filmvorlage an: im Kino haben sich viele Leute über das körnige, unscharfe Bild beschwert, was offenbar nicht nur an der Qualität der Kopien gelegen hat.
Lord of the Rings
ist wieder mal ein Beispiel dafür, daß ein Super35-Film auf DVD nur mit ganz viel Tricks so gut wie eine Panavision-Produktion aussehen kann - diese Tricks scheinen hier keine Anwendung gefunden zu haben. Zuerst fällt die Filmkörnigkeit auf, die eigentlich nur ganz leicht zu sehen ist, aber den Eindruck von einem perfekten Bild unangenehm trübt. Körnigkeit kann durchaus als Stilmittel Neben der Körnigkeit hat der Transfer noch ein anderes Problem - der Bildstand ist in vielen Szenen unruhig. Direkt danach wundert man sich über die nur durchschnittliche Bildschärfe, die offenbar ein Produkt aus der geringeren Auflösung des Super35-Filmmaterials und der problematisch niedrigen Bitrate ist. Nahaufnahmen sehen ganz manierlich aus, aber fast alle Hintergründe sehen zu matschig aus. Viele der dunklen Szenen, besonders die aufwendigen Special-Effects, sind so undeutlich, daß man kaum noch etwas erkennen kann. Zudem hat die ganze DVD ein seltsam digitales, flaches Aussehen, das jegliche Räumlichkeit und Natürlichkeit vermissen läßt. Das verspielte Farbtiming, das in der Postproduktion digital angepaßt wurde, wirkt oft merkwürdig - aber wie bei O Brother, Where Art Thou? ist das bei Lord of the Rings vollkommen beabsichtigt und ist das einzige, was bei diesem Transfer wirklich beeindrucken kann.
Einen Großangriff auf die Sehnerven, der schon im Kino weitgehend ausblieb, kann auch diese DVD nicht bieten. Für so eine "Jahrhundertproduktion" wie Lord of the Rings ist die Bildqualität enttäuschend, besonders wenn man bedenkt daß DVDs von vielen älteren Filmen um einiges besser aussehen. Ob sich das mit der 4-DVD-Version ändern wird bezweifele ich, da die Auslöser für das enttäuschende Bild schon in der Filmquelle liegen.

Ton

Viel erfreulicher als das Bild präsentiert sich der Ton, der hier gleich in dreifacher Ausfertigung vorliegt. Zwei Dolby-Digital-5.1-EX-Spuren in deutsch und englisch, und eine deutsche 2.0-Surroundfassung gibt es hier, die alle speziell für die DVD-Veröffentlichung neu abgemischt wurden. Die 5.1-Fassungen sind bis auf die Dialoge in der Abmischung identisch und lassen ein ganz schönes Klangfeuerwerk los. Allerdings sind die Actionszenen nach meinem Geschmack etwas zu laut abgemischt - zu Beginn des Films hüpfen die Lautsprecher aus den Regalen und danach versteht man die Dialoge nicht mehr, weil sie zu leise sind. Die Stimmwiedergabe ist im Grunde genommen perfekt, aber wenn Ian McKellen sich in der Originalfassung eins in den angeklebten Bart brummelt, ist man schon froh daß deutsche und englische Untertitel dabei sind. Die Musik bemächtigt sich der vorderen und hinteren Soundstage, die Geräuschkulisse reicht von realistischen Umgebungsgeräuschen bis zu Holzhammer-Effekten in den Actionszenen, die dann doch etwas zu laut und aufgesetzt klingen. Im Grunde genommen kann man den beiden 5.1-Spuren aber nur einen optimalen Sound bescheinigen, der auf der deutschen DVD noch durch etwas immer noch nicht alltägliches ergänzt wird: sowohl die englische als auch die deutsche Fassung wurden in der Tonhöhe auf das Originalniveau zurückkorrigiert, so daß die Auswirkungen von PAL-Speedup hier nicht zu hören sind.
Die deutsche 2.0-Surround-Spur wurde dagegen unverständlicherweise nicht in der Tonhöhe korrigiert, was im Direktvergleich mit der 5.1-Version stark auffält. Dieser Downmix hört sich wie üblich auf meiner Ausrüstung nicht so gut an wie der Hardware-Downmix der 5.1-Fassung, das mag aber auf anderen Geräten verschieden sein. Im Prinzip hätte man die 2.0-Version aber auch weglassen können. Die Tonspuren und Untertitel lassen sich frei über die Fernbedienung umschalten, so daß man in Ruhe ausprobieren kann welche Tonspur nun am besten ist.

Menü & Specials

Die Menüs mögen ja sehr hübsch und stimmungsvoll aussehen, aber was Lesbarkeit und Navigation angeht ist das Design gründlich danebengegangen. Die verschnörkelte Schrift setzt sich zu wenig vom Hintergrund ab und ist deshalb kaum erkennbar. Leider befinden sich auf der deutschen DVD auch nur deutschsprachige Menüs - da hier aber keine Texttafeln mit dabei sind, ist das nicht ganz so schlimm.

Der dicke, gelbe Aufkleber "Über 2 Stunden Bonusmaterial" ist ausnahmsweise mal keine Übertreibung, denn wenn man alles rein von der Laufzeit zusammenrechnet kommt man locker auf mehr als zwei Stunden. Allerdings handelt es sich fast ausschließlich um Promotionmaterial, das nicht speziell für die DVD hergestellt wurde - die einzelnen "Dokumentationen" überschneiden sich teilweise so stark, daß man mit viel gutem Willen wirklich nur etwa eine Dreiviertelstunde an Material entdecken kann. Wenn man alles nacheinander schaut, wird man spätestens beim dritten Featurette entnervt zur Fernbedienung greifen, weil überall die gleiche Interviews und Filmausschnitte gezeigt werden.

Welcome to Middle-earth (16:37) ist Kommerz pur, denn dieses Featurette wurde von Anden Entertainment für den Publisher Houghton Mifflin als "In-Store-Dokumentation" als Promotion für die eigenen Lord of the Rings Movie Guide und Visual Companion produziert. Eingeleitet von dem inzwischen verstorbenen Raymer Umwin, einem Jugendfreund Tolkiens, wandelt sich diese "Doku" trotz vielversprechendem Anfang in ein ganz typisches, sebstverliebtes Making-Of der schlechtesten Art. Peter Jackson und die Schauspieler dürfen zwischen massig Filmausschnitten die üblichen begeisterten Statements über die Filmproduktion abgeben, und das wars dann auch schon. Ganz nett, wenn man den Film noch nicht gesehen hat, aber auf dieser DVD eigentlich völlig fehl am Platz.

Quest for the Ring (21:28) ist ein Fox-TV-Special, das als einzige der drei Dokumentationen auch deutsch synchronisiert vorliegt und nicht nur deutsche Untertitel hat - aber es ist auch eine englische Tonspur dabei. Hier werden Interviews und Filmausschnitte verwendet, die deutlich sichtbar aus dem gleichen "Electronic Press Kit"-Material entnommen wurden wie die aus Welcome to Middle Earth. Vermutlich lief dieses Making-Of der üblichen Sorte schon tausendfach im Fernsehen und ist hier auch nicht weiter interessant.

A Passage to Middle-Earth
(42:00) ist vielleicht das vernünftigste Making-Of auf dieser DVD - wenn man sich das angeschaut hat, kann man Welcome to Middle-Earth und Quest for the Ring getrost vergessen. Die Produktion vom Science-Fiction-Channel verwendet zwar auch nur Material aus der gleichen Quelle wie die anderen Making-Ofs, ist aber etwas besser geschnitten. Was Werbe-Featurettes angeht, ist dieses nicht mehr weit entfernt von den hervorragenden HBO-Making-Ofs die bei Dreamworks oft verwendet werden.

Die lordoftherings.net-Dokumentationen wurden vom Konzept her eindeutig von den Starwars-Webdokumentationen abgekupfert. Die fünfzehn Featurettes sind zwischen zwei und fünf Minuten lang und sind eigentlich ganz nett, aber enthalten nichts wirklich sensationelles und überschneiden sich natürlich öfter mit den drei Making-Ofs.


In der unvermeidbaren Trailer-Abteilung befinden sich zwei Teaser und der fertige Kinotrailer in feinstem anamorphen 2.35:1 mit englischen DD5.1-Tonspuren. Vielleicht ist es ja auch nur Einbildung, aber ich habe den Eindruck daß die Trailer optisch einen kleinen Tacken besser aussehen als der fertige Film. Zusätzlich sind auch noch sechs halbminütige TV-Spots dabei.

Auch das Musikvideo (3:38) von Enya "May it Be" ist dabei und wurde sogar anamorph abgelegt - aber besser wird es dadurch auch nicht unbedingt.

Der Rest des Bonusmaterials besteht aus drei Vorschauen: einmal auf die Special Extended DVD Edition (3:06), auf den nächsten LOTR-Film The Two Towers (10:44) (sogar mit einer persönlichen Einleitung von Peter Jackson) und letztendlich auf das Electronic-Arts-Computerspiel The Two Towers (3:02). Fans dürften sich natürlich über die beiden ersten Previews freuen, aber soviel spannendes wird dort wirklich nicht gezeigt - der kurze Einblick in die erweiterten Szenen der November-DVD von Fellowship of the Ring ist sogar ziemlich ernüchternd.

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