Allgemeines
Der Astronaut Leo Davidson arbeitet auf einem Forschungsraumschiff,
das einen Schimpansen als Testpilot einer Raumkapsel in einen unbekannten
Weltraum-Sturm schickt. Der arme Affe verschwindet und Leo jagt ihm in einer
zweiten Kapsel nach - und stürzt durch die Turbulenzen auf einem unbekannten
Planeten ab. Er begegnet dort zuerst Menschen, aber zu seiner großen
Überraschung werden diese von sprechenden Affen gejagt...
Tim Burtons Planet of the Apes hat bis auf das Grundkonzept überhaupt
nichts mit Franlin Schaffners 1968er Verfilmung von Pierre Boulles Roman
zu tun und sollte auch nicht mit ihm verglichen werden. Wie Tim Burton selbst
oft genug gesagt hat, handelt es sich um eine völlige Neuinterpretation
des Stoffs. Wake up and smell the bananas! Wenn nicht ständig die Vergleiche
zum "Original" gezogen würden, hätten die meisten Kritiker
vielleicht auch festgestellt, daß Tim Burtons Version sich als Film
sehr gut behaupten kann und nicht nur aus Ausstattung besteht. Die philosophischen
Ansätze und die Sozialkritik wirkten früher schon sehr aufgesetzt,
hier wurden sie anders eingearbeitet und modernisiert. Planet of the
Apes 2001 ist durch und durch ein Tim Burton-Film: dunkel, unheimlich
und intensiv. Die Rollenverteilung wurde nicht völlig umgekehrt, die
Affen bewegen sich größtenteils immer noch wie Tiere und die
gesellschaftliche und soziale Struktur ist ein geradezu satirisches Spiegelbild
zur Gegenwart. Einige Parallelen zu der momentanen politischen Lage auf
der Welt sind geradezu erschreckend. Themen wie Krieg und Rassismus kommen
auch hier nicht zu kurz, auch wenn sie auf eine viel drastischere Weise
als in der 1968er-Verfilmung dargestellt werden.
Planet of the Apes besticht natürlich durch die grandiose Optik,
aber das ist entgegen der üblichen Meinung längst nicht alles.
Die Story ansich ist nicht besonders wichtig, aber das Drehbuch ist trotzdem
gut geschrieben und bietet viele intelligente Dialoge. Im Gegensatz zum
Original lebt dieser Film aber nicht vom überraschenden Ende, sondern
vom Film selbst. Mark Wahlberg als Totalausfall zu bezeichnen ist unfair,
denn er ist für die Rolle des egoistischen Airforce-Piloten, der nur
das Ziel hat so schnell wie möglich vom Planeten wegzukommen, bestens
geeignet - der Charakter Leo Davidson ist nun mal kein sympatischer Superheld.
Die Affen-Darsteller, allen voran Helena Bonham-Carter, Tim Roth, Michael
Clarke Duncan und Paul Giamatti, sind natürlich die wirklichen Stars
des Films und abgesehen von den Bösewichten auch die Sympathieträger.
Was die Schauspieler durch die flexiblen Masken an Mimik und Körpersprache
zum Ausdruck bringen können, ist eine erstaunliche Leistung. Zusammen
mit Danny Elfmans fantastischer Musik und Tim Burtons solider Regiearbeit
ist so ein handfester Science-Fiction-Film entstanden, der offenbar zu detailliert
und zu intelligent zu sein scheint um beim Massenpublikum anzukommen - es
wäre nicht der erste von Tim Burtons Filmen, dem das passiert.
20th Century Fox scheint das Potential des Films erkannt zu haben und hat
trotz nur mäßigem Erfolg an den Kinokassen Planet of the Apes
eine luxuriös ausgestattete 2-DVD-Special-Edition gegönnt. Hier
bekommt man alles, was man über den Film wissen möchte: zwei Audiokommentare,
exzellente Dokumentationen, Bildergallerien und noch mehr - schon jetzt
eine der bestausgestattesten DVDs des Jahres. Die in Deutschland erschienene
DVD ist mit der US-Version bis auf den fehlenden DVD-ROM-Teil und die deutschsprachige
DTS-Spur identisch und so fast uneingeschränkt empfehlbar.
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Menü & Specials
20th Century Fox erstaunt in letzter Zeit immer wieder mit
geradezu opulent ausgestatteten Doppel-DVDs, zu denen nun auch Planet
of the Apes gehört, obwohl dieser Film an den Kinokassen kein wirklicher
Erfolg war. Trotzdem hat DVD-Produzent David Prior eine Sammlung von Bonusmaterial
zusammengestellt, die sich direkt neben Starwars Episode 1 und anderen DVDs
sehen lassen kann.
Schon am düsteren, aber aufwendigen Menüdesign merkt man, daß
man es hier nicht mit einer "Trailer, Making-Of, Tschüß!"-DVD
zu tun hat. Manchmal ist die Navigation in diesen Menüs nicht ganz
einfach, besonders auf der zweiten DVD muß man erst einmal ausprobieren,
wie die Steuerung überhaupt funktioniert. Wenn man das aber einmal
raushat, erwarten einen eine große Menge an Bonusmaterial, das auch
im beigelegten Booklet in einer Baumstruktur detailliert aufgeschlüsselt
wird. Positiv ist, daß sämtliches Bonusmaterial inklusive den
Audiokommentaren mit deutschen Untertiteln ausgestattet wurde und damit
Englisch-Unkundige nicht im Regen stehen läßt.
Das Bonusmaterial beginnt schon auf der ersten DVD mit gleich zwei Audiokommentaren
von Tim Burton und Danny Elfman. Tim Burton war noch nie sonderlich begeistert
von Kommentarspuren und hat so seinen ganz eigenen, etwas verworrenen Sprechstil,
der seinen Kommentar etwas ungewöhnlich macht. Burton bezieht sich
nur selten direkt auf das, was gerade im Film vor sich geht und erzählt
mehr Allgemeines über die Probleme und Erfolge der Dreharbeiten und
Vorbereitungen. Dabei ist er sehr ehrlich und spricht offen über den
Zeitdruck während der Dreharbeite, durch die manche Sachen nicht hatten
verwirklicht werden können. Tim Burton verzichtet vollständig
auf technische Details und zeigt damit, daß er eigentlich ein Filmemacher
der alten Schule mit enormen Wissen über die Filmgeschichte ist. Die
wirklichen Rätsel des Films deckt er zwar nicht auf, aber trotzdem
erzählt Burton sehr viel wissenswertes über den Film und bleibt
dabei nicht nur beim Oberflächlichen. Trotz der manchmal etwas längeren
Pausen ist dies ein äußerst interessanter Kommentar, der leider
aus Platzgründen mit nur 96 kbit/s für zwei Kanäle fast zu
Tode komprimiert wurde und dadurch Tim Burtons gelegentliche Nuschelei noch
schwerer verständlich macht.
Die zweite Kommentarspur ist eigentlich eine isolierte Musik/Effektspur
mit Kommentar von Danny Elfman. Für jeden Musiker, oder den der
sich zumindest für Musik interessiert, ist diese Kommentarspur eine
Fundgrube. Filmkomponist Danny Elfman, der schon für fast alle Filme
von Tim Burton die Musik schrieb, erzählt während den Pausen und
auch den leiseren Stellen über seine Arbeitsmethoden, seine Zusammenarbeit
mit den Filmemachern und Musikern und noch viel mehr. Obwohl seine Kommentare
sehr interessant sind, ist es schade daß nicht die komplette Filmmusik
zu hören ist und auch noch ein großer Teil der Geräusche
mit im Mix belassen wurde. Trotzdem ist diese Tonspur eine große Überraschung,
denn die Angabe auf dem Cover ließ ehr auf einen Kommentar von Tim
Burton und Danny Elfman zusammen schließen.
Ein Erstversuch für Fox ist die Enhanced Viewing Option, die
ein Hybrid aus dem traditionellen Follow-the-Rabbitt-Feature und den Video-Kommentaren
wie bei der Dogma SE ist. Wenn man diese Funktion
aktiviert, wird im laufenden Film entweder ein Affensymbol zum aktivieren
per Fernbedienung auffordern und in einen separaten Ausschnitt abzweigen,
oder im laufenden Film werden kleine "Fenster" mit Interviews
und ähnlichem eingeblendet. Wieviel Material da wirklich zu sehen ist,
habe ich noch nicht herausgefunden, weil man sich dazu den gesamten Film
noch einmal ansehen muß. Mit etwas tricksen kann man diese Featurettes
wahrscheinlich auch manuell anspringen, aber einen speziellen Menüpunkt
gibt es dafür leider nicht.
Die zweite DVD ist in sechs Bereiche strukturiert, von denen sich
der sechste auf der deutschen DVD nicht anwählen läßt -
dort befand sich nämlich auf der US-Version der Hinweis auf die DVD-ROM-Features,
die bei den anderen Fassungen weggelassen wurden. Um die Leseproben aus
verschiedenen Planet of the Apes-Büchern ist es nicht besonders
schade, allerdings schon um das komplette Drehbuch inklusive vielen Storyboards.
Das Drehbuch kann man allerdings auch auf einschlägigen Seiten im Internet
bekommen.
1 - The Making of the Apes
In diesem Bereich sind sieben Featurettes untergebracht, die eigentlich
zusammen eine lange 105-Minuten-Dokumentation bilden. Alles kommt ohne einen
Voiceover-Kommentar aus und spricht in einer ganz ähnlichen Weise für
sich selbst, wie das schon bei den Dokus der Starwars
Episode 1-DVD der Fall war.
Die Simian Academy (24 Minuten) ist eigentlich eine vornehmere Umschreibung
für die Affenschule, die alle Schauspieler und Stuntleute besuchen
mußten, um zu lernen sich wie Affen zu bewegen und zu verhalten. Stuntcoordinator
Terry Notary erzählt, wie er mit den Leuten gearbeitet hat und es sind
auch viele Aufnahmen von den "Turnübungen" zu sehen - da
ist sich keiner der Schauspieler inklusive Helena Bonham-Carter zu schade,
um wahrsten Sinne des Wortes einen Affen aus sich zu machen. Auch zu sehen
ist die Arbeit mit den richtigen Affen, die noch weitaus schwieriger
war als mit den Menschen
Face like a Monkey (30 Minuten) dreht sich natürlich um Rick Bakers
faszinierende Masken, die den Film erst richtig zum Leben erweckt haben.
1968 waren die Affen-Makeups nur bessere Gummimasken, aber 2001 sind es
komplexe Masken, die die Mimik der Schauspieler erstaunlich gut durchscheinen
lassen. Gezeigt wird auch die eigentliche Herstellung der Masken und natürlich
der aufwendige Makeup-Prozess, der drei bis vier Stunden dauerte - die Affen-Schauspieler
mußten jeden Tag sehr früh aufstehen, um pünktlich zum Drehbeginn
in vollem Kostüm auf dem Set zu erscheinen. Die Schauspieler nehmen
es mit Humor und
Ape Coture (7 Minuten) ist mehr als nur eine Lobpreisung von Kostümdesignerin
Coleen Atwood, die hier von ihrer Arbeit am Film erzählt. Dazu sind
viele Behind-the-Scenes Aufnahmen vom Set, von den Vorbereitungen und einige
Screen Tests mit Atwoods Kommentar zu sehen, die in der nächsten Abteilung
in voller Länge zu sehen sind.
Die Screen Tests sind in die Gruppen Makeup (3:38), Group
(2:32), Movement (1:44), Costume (1:31) und Stunts
(4:14) eingeteilt und sind bis auf Stunts in anamorphem 2.35:1
abgelegt worden. Obwohl das hier nur reine Kameratests sind, handelt es
sich um teils sehr lustige und interessante Szenen, in denen man sieht wieviel
Spaß h die Schauspieler an ihren Rollen gehabt haben müssen.
Die letzte Abteilung sind Videoaufnahmen aus einer Turnhalle, in der die
waghalsigen Stunts geprobt wurden - das ist nur für schwindelfreie
Gemüter zu empfehlen.
Chimp Symphony Op. 37 (10 Minuten) ist Danny Elfmans Featurette,
die sich ausschließlich um die Filmmusik dreht und hauptsächlich
aus einem Blick in die Aufnahmesessions und Interviews mit Elfman besteht.
Wie schon auf seiner Kommentarspur erzählt er auf eine humorvolle und
leicht verständliche Art über seine Zusammenarbeit mit Tim Burton
und seine etwas unkonventionelle Arbeitsweise.
On Location: Lake Powell (12 Minuten) sind sehr interessante Behind-the-Scenes-Aufnahmen
von den Dreharbeiten am Lake Powell, wo ein großer Teil des Films
gedreht wurde. Dort hatte die Crew mit verschiedenen Problemen zu kämpfen,
vor allen Dingen scheint aber die Kälte dem Team zugesetzt zu haben.
Michael Duncan Clarke meldet sich auch hier kurz zu Wort, als er mit einer
gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie zwischen mehreren Takes einer
Aufnahme ein paar Kommentare gibt.
In Swinging from the Trees (10 Minuten) kommen die Stuntleute Terry
Notary und Chgarlie Croughwell und andere zu Wort, die eindrucksvoll schildern
wie die springenden und hetzenden Affen realisiert wurden. Man denkt, daß
vieles davon per CGI gemacht wurde, aber tatsächlich wurde vieles mit
konventionellen Mitteln erledigt.
2 - Multi-Angle Featurettes
Insgesamt vier Szenerien, von denen zwei nochmal in vier Segmente unterteilt
sind, kann man sich hier entweder als Aufnahmen vom Set mit zwei oder drei
Kamerawinkeln und Tonspuren, Konzeptzeichnungen, fertiger Filmszene - und
Drehbuchauszug anschauen. Eine sehr interessante Zusammenstellung, allerdings
sind die Multiangle-Videoaufnahmen so wackelig aufgenommen, daß sie
mir schnell Kopfschmerzen bereitet haben. Besonders lobenswert ist aber
ein zusätzlicher Kamerawinkel, auf dem alle zusammen gleichzeitig zu
sehen sind.
3 - Extended Scenes
Als Planet of the Apes kurz vor der Kinopremiere stand, kursierten
im Internet Gerüchte, daß Regisseur Tim Burton mehr als ein Dutzend
verschiedene Schlußszenen gedreht hätte - wer die in dieser Abteilung
vermutet, wird enttäuscht sein, zumal Burton in der Kommentarspur auf
das Gerücht anspricht und erzählt, daß doch nur eine einzige
Fassung der Endszene gedreht wurde. Richtige Deleted Scenes im klassischen
Sinn finden sich hier auch nicht, lediglich erweiterte Versionen von vorhandenen
Sequenzen. Viel neues bringen diese fünf Szenen mit einer Laufzeit
von zusammen gerade mal fünf Minuten kaum, außerdem scheinen
es Arbeitskopien aus einem Avid-Schnittcomputer zu sein, die zwar im Originalformat
vorliegen, aber halt nicht-anamorph sind und eine ziemlich matschige Bildqualität
haben. Insgesamt nichts besonderes, aber ein gutes Beispiel welche subtilen
Unterschiede durch den Schnitt entstehen können.
4 - Promotional Works
Lobenswerterweise streng getrennt von den Dokumentationen befindet sich
hier das Werbematerial, das mit dem gar nicht so schlechten 27-minütigen
HBO Special beginnt. Gehostet von Michael Clarke Duncan, der sich
in den anderen Dokumentationen auch schon als sehr kooperativ herausgestellt
hat, beginnt dieses Making-Of mit seinem Tagebuch als Schauspieler
und dem ersten Weckruf. Die Behind-the-Scenes-Aufnahmen und Interviews überschneiden
sich kaum mit dem restlichen Bonusmaterial. Die reine Werbenatur kommt dabei
nie ganz durch, eigentlich gehört dieses Special mehr in die erste
Abteilung.
Mehr in die Kategorie "überflüssig" fällt das Musikvideo
Paul Oakenfield - "Rule the Planet Remix", das nicht mehr
ist als fast drei Minuten lang aneinandergereihte Filmausschnitte, die mit
einer grausam Technobeat-verunstalteten Soundtrack unterlegt sind. Auf sowas
kann man doch verzichten.
Trailers & TV-Spots beherbergt zwei Kinotrailer und sechs TV-Trailer
von diesem Film, einen Trailer für die Video-Veröffentlichung
der alten Planet-of-the-Apes-Filme, und jeweils einen Trailer
von Moulin Rouge und Dr. Doolittle 2. Erstaunlich ist nur,
daß Fox es immer noch nicht gelernt hat auch die Trailer von nagelneuen
Filmen in guter Qualität auf die DVDs zu bekommen - bei dieser Bildqualität
meint man es mit Filmen aus den 70ern zu tun zu haben.
Posters & Press Kit sind 54 Bildschirmseiten mit Texttafeln,
die von einigen Bildern der Posterkampagne eröffnet werden. Das dreißigsekündige
Music Promo ist genauso überflüssig wie der gräßliche
Remix, mit dem dieser Werbespot auch noch wirbt.
5 - Gallery
Die obligatorische Bildergallerie birgt viel mehr in sich, als man
vermutet. In den zwei Kategorien Scenes und Props befinden
sich mehr als 100 Konzeptzeichnungen und Storyboards, die bei so einem visuell
beeindruckenden Film eine willkommenes Extra sind. Wer sich für die
ausgezeichnete Produktionskunst interessiert, kann hier lange drin schwelgen.
Kleiner Tip für besitzer von 4:3-Fernsehern und DVD-ROMs im Computer:
wenn man den DVD-Player auf Pan&Scan stellt, werden die Bilder (wie
die gesamten Menüs) auf 1.33:1 aufgezoomt, ohne daß etwas an
den Rändern abgeschnitten wird. So kann man sich die Bilder in angenehmerer
Größe anschauen.
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